Der Spruch im Hintergrund passt perfekt: Die Begegnung mit dem syrischen Flüchtling Mohannad-Al Dous (vorne Mitte) hat auch bei den Mitarbeitern der Orthopädischen Reha-Klinik Waldsassen positive Spuren hinterlassen: Christian Jerassek, Elisabeth Eißner, Monika Grötsch, Alexander Schütz (hinten v. l.) und Selina Burger und Felix Ehmann (vorne v. l.). Foto: Kliniken Nordoberpfalz AG

Ein wichtiger Beitrag zur Integration von Mohannad-Al Dous

Mitarbeiter der Orthopädischen Reha-Klinik Waldassen geben syrischem Flüchtling neue Hoffnung auf eine bessere Zukunft

Mohannad-Al Dous kommt aus Syrien. Um genau zu sein aus dem inzwischen völlig zerbombten Aleppo. Der 26-Jährige hat ein schweres Schicksal zu meistern – er verlor seine Familie, wurde mehrmals angeschossen und bei der Operation in Jordanien medizinisch falsch versorgt. Die Folge: Der 26-Jährige konnte nicht mehr laufen, ehe er über Umwege schließlich im August in der Weidener Orthopädie- und Unfallchirurgie der Kliniken Nordoberpfalz AG operiert wurde.

Mit Erfolg: Heute kann Mohannad-Al Dous auch dank der Maßnahmen in der Orthopädischen Klinik in Waldsassen schon wieder zügig mit Unterarmgehstützen laufen. Und, was ebenso wichtig ist, richtig gut Deutsch sprechen. Dazu haben die Mitarbeiter und Schüler der Physiotherapie ihren großen Teil dazu beigetragen. Denn neben den täglichen Reha-Einheiten entschlossen sie sich, dem 26-Jährigen in ihrer Freizeit sowie während der Therapieeinheiten einen Sprachkurs zu geben.

„Hawadere – wia gäts da?“, lacht Mohannad-Al Dous bei der Begrüßung. Deutsch? Nein, das ist bestes Oberpfälzerisch, das der 26-Jährige da von sich gibt. „Aber ich kann nur diesen beiden Sätze“, scherzt der Syrer, der dann in bestem Hochdeutsch anfügt: „Ich bin sehr, sehr zufrieden hier. Mit der Behandlung, mit der Rehabilitation und natürlich mit dem Deutsch-Kurs.“

Mohannad-Al Dous hat Vertrauen gefasst, das ist spürbar. Er spricht offen, lacht und engagiert sich – bei den sportphysiotherapeutischen Übungen und bei allen Maßnahmen, die seine Integration in Deutschland vorantreiben. Nach seiner Rückkehr in die Flüchtlingsunterkunft in Mähring, wird er künftig im MVZ Stiftland in Tirschenreuth seine weitere Reha bestreiten und zudem einen Deutsch-Kurs an der Volkshochschule besuchen, um so künftig wieder seinem erlernten Beruf als Mauerer nachzugehen.

Allerdings war Ende August der Start an der Orthopädischen Reha-Klinik in Waldsassen verständlicherweise durchaus holprig. „Mohannad-Al Dous war verschlossen und zurückhaltend“, erinnert sich Chefärztin Elisabeth Eißner. Erst nach und nach taute der 26-Jährige auf, mit ein Verdienst des Gießener Psychologie-Studenten Alexander Schütz, der sein Praktikum in Waldsassen ableistet, und zu dem er nach und nach Vertrauen fasste. „Wir wollten ihn auf andere Gedanken bringen, was uns gelungen ist“, blickt Schütz zurück.

Dr. Elazzabi Iesa, der zurzeit in der Inneren Abteilung am Krankenhaus hospitiert, war ein weiteres Mosaiksteinchen für Mohannad-Al Dous immer besser funktionierende Integration. Denn der Arzt fungiert bei schwierigen Dingen als Dolmetscher, wobei sein Einsatz aufgrund der steigenden Deutsch-Kenntnisse des Syrers immer geringer wird. „Reha ist oft nur mehr als die blanke Medizin. Man muss auch den sozialen Kontext bei den Menschen beachten und beleuchten“, weiß Chefärztin Eißner.

Die kann sich dabei bestens auf ihr Team verlassen. Denn die Physiotherapeuten, Krankenschwestern und Auszubildenden Felix Ehmann, Ilona Heindl, Christian Jerassek, Monika Grötsch und Selina Burger ergriffen schließlich freiwillig die Initiative und gaben Mohannad-Al Dous täglich nach getaner Arbeit eine zusätzliche Stunde Deutsch-Unterricht. „Ich habe wahnsinnig viel gelernt und traue mich mehr und mehr, auf die Menschen zu zu gehen“, sagt der Syrer. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn wieder einmal lässt Mohannad-Al Dous, obwohl er es eigentlich noch nicht dürfte, einfach seine Krücken stehen – auch ein Zeichen der voranschreitenden Bewältigung seines schweren Schicksals.