Krankenhauskeime

Information und Aufklärung der Kliniken AG: Keine Panik vor den Keimen

Über Krankenhauskeime wird viel gesprochen, viele Menschen fürchten sich davor. Die Kliniken Nordoberpfalz trugen mit einem „Informations- und Aufklärungstag rund um Krankenhauskeime“ zur Versachlichung der Diskussion bei.

Mit dabei waren Professor Hamid Hossain, Chefarzt des Bereichs Mikrobiologie an den Kliniken in Amberg und Weiden, sowie Stefany Dürr, Ärztliche Leiterin der Abteilung Hygiene in Weiden. „Bakterien, Viren und Pilze kommen überall bei Menschen, Tieren und in der Umwelt vor“, stellte Hossain fest. Alleine im Darm seien diese im Umfang einer „Eins mit zwölf Nullen“ vorhanden. Die Haut könne man zwar annähernd zu 100 Prozent desinfizieren, doch die wenigen Bakterien, die überlebten, könnten sich in kürzester Zeit wieder stark vermehren.
Keim kein Todesurteil

„Wir sind besiedelt von Bakterien“, erklärte der Chefarzt. „Das ist die Ausgangssituation.“ Insofern entspreche es der Normalität, dass „Patienten die Keime mit ins Krankenhaus bringen“. Verhindert werden müsse, dass es zu einer Infektion zum Beispiel in der Blutbahn kommt. Mit Antibiotika werden die Infektionen bekämpft. Nur gegen sehr wenige Erreger gebe es keine Antibiotika.

Sechs Prozent aller Keime im Krankenhaus seien allerdings multiresistent. „Aber auch diese sind therapierbar. Eine Infektion mit einem dieser Keime ist kein Todesurteil.“ Die Entstehung der multiresistenten Keime sei auf zwei Faktoren zurückzuführen: die Verschreibungspraxis der Ärzte und die Tierhaltung. „Ärzte müssen rationaler mit Antibiotika umgehen“, forderte Hossain. Im ambulanten Bereich sei dafür ein Umdenken erforderlich. Bei der Tierzucht würden im Fall einer im Stall ausgebrochenen Krankheit nicht nur die kranken Tiere, sondern gleich der ganze Stall mit Antibiotika behandelt. „16 000 Tonnen Antibiotika werden jährlich in Deutschland dafür eingesetzt“, rechnete der Chefarzt vor. Die größte Zahl der multiresistenten Keime entstünde in den Ställen. Selbst Vegetarier würden Spuren davon in der Nahrung aufnehmen.

Dann schilderte der Chefarzt die Krankenhausstrategie im Hygienebereich. Mit Nasen-, Rachen-, und Rektalabstrichen (genannt „Screening“) würden die neuen Patienten untersucht. Bei gefährlichen Befunden würden diese sofort isoliert.

Quelle: Der Neue Tag

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