Das NRZ Nordostbayern zieht eine erste erfolgreiche Bilanz: Oberarzt Dr. Horst Bachfischer und Chefarzt Prof. Dr. Volkher Engelbrecht des Institutes für Diagnostische und Interventionelle Radio-logie in Amberg, Dr. Thomas Finkenzeller, Leiter des NeuroRadiologischen Zentrums Nordostbay-ern und Dr. Frank Huber, Chefarzt der Neurologischen Klinik mit Stroke Unit Amberg (v. l. n. r.). Foto: M. Kramer/Klinikum St. Marien Amberg

NRZ Nordostbayern bietet Versorgung auf Uniklinik-Niveau

Erfolgreiche Kooperation des Klinikums St. Marien Amberg und der Kliniken Nordoberpfalz AG spart Patienten wertvolle Zeit – Heilungschancen bei Schlaganfällen steigen messbar an

Zwei unterschiedliche Menschen, die das gleiche Schicksal teilen: Thomas P. aus Weiden ist 15 Jahre alt, Richard T. aus Amberg 64 (Anm.: Namen der Patienten geändert). Beide haben einen Schlaganfall erlitten. Beide wurden von den Ärzten des NeuroRadiologischen Zentrums (NRZ) Nordostbayern behandelt. Und beide sind heute, nach etwas über einem halben Jahr, nahezu vollständig genesen. Zwei von einem schweren Schlaganfall betroffene Menschen, deren Leben durch die schnelle Hilfe des NRZ uneingeschränkt weitergeht.

Modern, wohnortnah und eine schnelle medizinische Hilfe – das hat sich das im Dezember 2015 von der Kliniken Nordoberpfalz AG und dem Klinikum St. Marien in Amberg gemeinsam gegründete NRZ auf die Fahnen geschrieben. Mit Erfolg, wie eine erste Zwischenbilanz der bayernweit einmaligen Kooperation zeigt. „Wir haben in Amberg und Weiden im ersten ausgewerteten Zeitraum nach sechs Monaten mehr als 50 von einem schweren Schlaganfall betroffene Patienten erfolgreich behandelt“, berichten die NRZ-Leiter PD Dr. Thomas Finkenzeller (Weiden) und Chefarzt Dr. Frank Huber (Amberg).

Vom NRZ Ostbayern, dessen Aufgaben die Diagnostik, Beratung und Behandlung bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems sind, profitieren zurzeit vor allem die Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben. Nur wenn ein Schlaganfall rechtzeitig versorgt wird, können die Ärzte so viel Gehirngewebe wie möglich retten, Folgeschäden so gering wie möglich halten und im optimalen Fall sogar komplett verhindern. Bei etwa 80 Prozent der Schlaganfälle ist dabei ein Blutgerinnsel im Gehirn die Ursache. Viele dieser Gerinnsel können medikamentös behandelt, die großen jedoch müssen mit Hilfe eines Mikrokatheters, der über die Leistenarterie eingeführt wird, entfernt werden – die sogenannte Thrombektomie.

Eine Methode, die es in Weiden schon länger gibt, und die sich mit der Gründung der NRZ in Amberg ebenfalls etabliert hat. „Wir sind sehr stolz darauf, dass wir unserer Bevölkerung diese qualitativ hochwertige Versorgung, die weit über die übliche Standardbehandlung bei Schlaganfällen hinaus geht, vor Ort in Amberg und in Weiden bieten können“, so Dr. Huber und PD Dr. Finkenzeller, die die Abläufe und Zusammenarbeit in den letzten Monaten zwischen dem Klinikum Weiden und dem Klinikum Amberg mehr und mehr optimiert haben.

Die im NRZ Nordostbayern erzielte Zeitersparnis bei der Behandlung von Schlaganfall-Patienten ist im Zuge der Qualitätssicherung dabei sogar messbar – im sogenannten NIH-Stroke Score. Vereinfacht ausgedrückt: Je höher dieser Wert ist, desto schwerer sind die Auswirkungen des Schlaganfalles. Hat ein Patient eine Armlähmung, so bedeutet das 1 Punkt auf der NIH-Skala. Kann er seine Arme gar nicht mehr bewegen, sind es 4. Für die interventionelle Entfernung des Blutgerinnsels kommen Patienten mit einem NIH-Wert von über 8 in Frage. „Die meisten, die bisher im NRZ behandelt wurden, hatten allerdings einen wesentlich höheren, so um die 20“, erzählen Dr. Huber und PD Dr. Finkenzeller. Nach dem operativen Eingriff wird diese Zahl erneut gemessen. Und da sprechen die Ergebnisse im NRZ Ostbayern eine deutliche Sprache. „Der NIH-Stroke Score konnte bei vielen sehr stark gesenkt werden.“

So bei Richard T. aus Amberg: Er wurde mit einer vollständigen Sprachstörung sowie einer kompletten Halbseiten- und Gesichtslähmung eingeliefert. Der 64-Jährige konnte nicht  mehr stehen, geschweige denn gehen. Sein NIH-Wert betrug 22. Innerhalb einer Stunde schlug die Behandlung im NRZ an, schon ein paar Tage danach wurde der Amberger in eine Reha-Klinik verlegt. Die halbseitige Lähmung hatte sich da schon vollständig zurückgebildet, Richard T. hatte nur noch geringe Wortfindungsstörungen und er war wieder selbständig mobil. Sein Stroke Score sank auf 3.

Dass der Schlaganfall aber nicht nur ältere Menschen betrifft, zeigt die Behandlung des 15-jährigen Thomas P. aus Weiden, der im November 2015 zu Hause plötzlich bewusstlos wurde und mit einer Lähmung des rechten Armes, einer Gesichtslähmung und fehlender Sprachfähigkeit ins Klinikum gebracht wurde. Eines seiner Hauptgefäße im Kopf war durch ein Blutgerinnsel blockiert, konnte aber dank schneller Diagnostik und Behandlung im NRZ ebenfalls innerhalb einer knappen Stunde wieder eröffnet werden. Sein NIH-Score sank von 21 auf 4. Der 15-Jährige wurde zur weiteren Betreuung und Klärung der Ursache seines Gefäßverschlusses an die Haunersche Kinderklinik verlegt, verließ diese aber nach kurzer Zeit wieder. Von den Folgen seines Schlaganfalls spürt Thomas P. heute nichts mehr.