PET-CT bei Prostatakarzinomen

Interdisziplinäres Prostatazentrum

Das Prostatakarzinom ist der häufigste bösartige Tumor des Mannes. Mittlerweile erkranken in Deutschland ca. 40.000 Männer jährlich am Prostatakarzinom. Glücklicherweise gibt es sehr ausgefeilte Vorsorge-, Diagnosen- und Therapiemethoden.

Die aktuelle Früherkennung des Prostatakarzinoms beruht auf 3 Untersuchungen:

  • Rektal-digitaler Tastbefund
  • Transrektaler Ultraschall
  • Prostataspezifisches Antigen (PSA) als Tumormarker aus dem Serum

Bei Auffälligkeiten besteht der Verdacht auf eine Erkrankung der Prostata. Hier muss eine individuelle Beratung erfolgen. Die weitere Abklärung bei V.a. Prostatakarzinom führt dann zu einer ultraschallgesteuerten Prostatastanzbiopsie über den Enddarm als ambulante Untersuchungsmethode.

Aufgrund der modernen Kernspindiagnostik (MRT) kann in Einzelfällen bei negativer Stanzbiopsie eine zusätzliche Aussage getroffen werden. Auch hier ist der Einzelfall entscheidend.

Nach Diagnosestellung des Prostatakarzinoms muss abgeklärt werden, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist. Insbesondere ist zu klären, ob es sich um eine lokalisierte Erkrankung oder eine metastasierte Erkrankung (Tochtergeschwülste) handelt. Nach den Leitlinien sind folgende Untersuchungen angezeigt:

  • Rektal-digitale Tastuntersuchung
  • Transrektaler Ultraschall
  • Prostataspezifisches Antigen (PSA)
  • Falls PSA > 10 ng/ml, Skelett-Szintigraphie der Knochen und evtl. CT Becken/Abdomen
  • Falls Bösartigkeitsgrad des Tumors aus der Prostatastanzbiopsie Gl > 6, Skelettszintigraphie der Knochen und CT Becken/Abdomen
In der Regel werden Prostatakarzinome durch eine Radikaloperation oder eine lokalisierte Strahlentherapie in ca. 75 % aller Fälle geheilt. Dennoch entwickeln ca. 25 % aller Patienten, die sich einer „heilenden“ Therapie unterzogen haben, ein sog. PSA-Rezidiv, d.h. der PSA-Wert steigt wieder an. Bei ansteigendem PSA-Wert muss davon ausgegangen werden, dass irgendwo im Körper noch Tumorzellen vorhanden sind, die erneut wachsen. In dieser frühen Phase ist jedoch mit den üblichen Untersuchungen (Computertomographie, Skelett-Szintigraphie, Kernspintomographie meist keine lokalisierte Diagnostik in der Regel möglich.

Mittels der neuen Cholin-PET-CT-Untersuchung ist eine exaktere Lokalisationsdiagnostik möglich, um zu klären, woher ein PSA-Anstieg kommt. Die Cholin-PET-Untersuchung ist aussagekräftig ab einem PSA-Wert von ca. 1,5 ng/ml. Die Vorstellung, die dahinter steht ist, dass evtl. durch eine erneute lokale Therapie (Bestrahlung, Operation) der Tumor entfernt oder in seinem Wachstum behindert werden kann. Hierzu gibt es jedoch nur sehr wenig zuverlässige Untersuchungsergebnisse und Studien, da es sich mit dem Cholin-PET-CT um ein relativ neues Verfahren handelt.

  • Bei Patienten nach mehrmaliger Prostatastanzbiopsie ohne Nachweis eines Prostatakarzinoms und dennoch weiter steigenden PSA-Werten
  • Bei Patienten mit nachgewiesenem Prostatakarzinom, wo der begründete Verdacht besteht, dass eine Metastasierung vorliegt, ohne dass diese in der klassischen Bildgebung (CT, Skelettszintigraphie) nachgewiesen werden kann
  • Bei Patienten nach Therapie eines Prostatakarzinoms (radikale Prostatektomie oder Radiatio), die einen kontinuierlichen PSA-Anstieg aufweisen und in der normalen bildgebenden Untersuchung (CT, Szintigraphie) kein Tumornachweis sich findet

Die PET-CT-Untersuchung ist eine wenig belastende Untersuchung und dauert ca. 45 Minuten. Der Vorteil ist die Kombination einer klassischen hochauflösenden Computertomographie mit einer Positonen-Emissions-Tomographie (PET). Hierbei macht man sich zunutze, dass Tumorzellen einen veränderten Stoffwechsel haben, deren Cholinverbrauch erhöht ist und mit besonders markierten Stoffen dieser Verbrauch durch radioaktive Zerfallsprozesse mittels PET gemessen werden kann. In der Kombination und Zusammenführung von PET und CT ist die Untersuchung des gesamten Körpers in einem Untersuchungsvorgang möglich.

Das Prostatakarzinom weist einen veränderten Cholin-Stoffwechsel auf. Es handelt sich um einen natürlichen Stoff, der radioaktiv markiert wird und bei Prostatatumoren von den Tumorzellen in vermehrtem Maße verstoffwechselt wird.

Für den Nachweis von Prostatakarzinomzellen ist deshalb Cholin besser geeignet als die sonst übliche Glucose (Zucker) bei anderen Tumoren.

Die Kosten für eine Cholin-PET-CT-Untersuchung beim Prostatakarzinom sind variabel abhängig vom Befund. Aus diesem Grund ist unbedingt eine Vorstellung in einem interdisziplinären Prostatakarzinomzentrum notwendig, da hier mehrere Spezialisten (Urologe, Strahlentherapie, Nuklearmediziner, Radiologe) entscheiden, ob eine solch aufwändige Untersuchung überhaupt nötig ist.

Leider übernehmen nicht alle Kostenträger die entstehenden Untersuchungskosten. Aus diesem Grund wird vom Prostatakarzinomzentrum dann im Einzelfall ein Kostenübernahmeantrag an den Kostenträger gestellt.