Unsere multimodalen Schmerzbewältigungsprogramme

Interdisziplinäre Schmerztagesklinik

Allen Programmen geht eine ausführliche Erstvorstellung (s.o.) im interdisziplinären Setting voraus. Die Entscheidung, ob und für welches Programm der Patient geeignet ist, hängt ab von:

  • den medizinischen und psychologischen Befunden
  • den schmerzbedingten Einschränkungen
  • der körperlichen Fitness
  • der geistigen Leistungsfähigkeit
  • der Gruppenintegrationsfähigkeit

Diese Entscheidung wird durch das Therapeuten-Team und zusammen mit dem Patienten getroffen.

Allen multimodalen Programmen sind folgende Therapiebausteine gemeinsam und unterscheiden sich je nach Zielgruppe von Patienten in der Häufigkeit und Intensität der Behandlung.

Unser mehrwöchiges Intensivprogramm erfolgt über einen Zeitraum von fünf Wochen, täglich von 08:00 bis 16:00 Uhr, durch verschiedene Therapeuten nach einem festen Stundenplan mit Einzel- und Gruppentherapieelementen. Der Schwerpunkt liegt auf geistig und körperlich aktivierenden Maßnahmen. Die einzelnen Therapiemodule sind aufeinander abgestimmt und bauen inhaltlich aufeinander auf.

Zentrales Anliegen ist die Förderung der Eigenkompetenz des Patienten im Umgang mit der Schmerzerkrankung im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe. Die Erarbeitung von individuellen Heimprogrammen ist dabei ein wichtiger Bestandteil.

Sie werden in unserer Schmerztagesklinik von hoch qualifizierten Physiotherapeuten behandelt, die in der Einzelbehandlung individuell auf Ihre Erkrankung eingehen und Sie dabei unterstützen, Kondition, Koordination, Gleichgewicht, Stabilität, Bewegungsumfang und Muskelkraft zu verbessern.

Folgende Maßnahmen kommen dabei in Einzel- wie auch Gruppenbehandlungen zur Anwendung, wie z.B. :

  • Manuelle Therapie
  • Osteopathische Techniken
  • Ausdauer-/Kreislauftraining z.B. Nordic walking, Cross Trainer, Fahrradergometer, u.a.
  • Bewegungsbad
  • Medizinische Trainingstherapie im Fitnessstudio
  • Koordinationstraining
  • Funktions- und Haltungsverbesserung
  • Therabandtraining
  • Dehnungsübungen
  • Rückenmanagement (Einübung rückengerechter Bewegungsabläufe und Körperhaltung)
  • Stabilisationstraining
Jeder Patient erhält in der Schmerztagesklinik ein TENS-Gerät vom Physiotherapeuten. Durch elektrische Impulse über Klebeelektroden an der Haut (z.B. im Schmerzgebiet) können die Schmerzweiterleitung und damit Schmerzwahrnehmung positiv beeinflusst werden. Sie erhalten ein Gerät zur Probe und werden in dessen Handhabung eingewiesen, so dass eine regelmäßige und selbständige Durchführung möglich ist.

Bei guter Wirkung und Schmerzlinderung kann das Gerät durch uns oder vom Hausarzt über ein Hilfsmittelrezept weiterverordnet werden

Im Gruppensetting erarbeiten unsere Psychologinnen mit Ihnen, nach einem ausführlichen Kennenlernen der anderen Gruppenmitglieder, zunächst Informationen zu chronischen Schmerzen (z.B. Schmerzmodelle), damit Sie für sich Zusammenhänge erkennen und Erklärungen finden können. Hierdurch wird eine gezielte Beeinflussung des Schmerzgeschehens ermöglicht. Danach stehen verschiedene Strategien im Vordergrund, mit denen Sie einen verbesserten Umgang mit Ihren Schmerzen im Alltag lernen und somit Ihre Lebensqualität wieder erhöhen können. So werden z.B. Möglichkeiten zur Stressbewältigung besprochen, der Einfluss von Gedanken veranschaulicht und im Positiven genutzt, Strategien zur Verbesserung der Schlafqualität besprochen, Problemlösungsstrategien erarbeitet, die Wahrnehmung eigener Grenzen und Befindlichkeiten sowie Selbstfürsorge und Genuss gefördert und Ressourcen erarbeitet.

In den Einzelgesprächen besteht die Möglichkeit, individuell belastende Themen lösungsorientiert zu besprechen und Wege aus ggf. vorliegenden psychischen Problemen, wie z.B. Depressionen oder Ängste, aufzuzeigen.

In kleinen Schritten lernen Sie in der Schmerztagesklinik folgende Entspannungstechniken kennen:

  • Progressive Muskelrelaxation/ PMR nach Jacobson
  • Autogenes Training
  • Phantasiereise

Durch das regelmäßige Üben zu Hause kann der Teufelskreislauf zwischen Anspannung und Schmerzverstärkung unterbrochen werden und eine Stabilisierung der vegetativen Funktionen, wie z.B. Schlaf, Atmung, Verdauung, Muskelspannung erreicht werden.

Stress, Ängste, Sorgen und Schmerzen beeinflussen unser körperliches Wohlbefinden wie auch unsere vegetativen Funktionen wie Herzschlag, Atmung, Muskelspannung, Verdauung, etc., häufig aber, ohne dass wir dies bewusst wahrnehmen.

Mittels Sensoren können während einer Biofeedbacksitzung die unbewusst ablaufenden Körperfunktionen des vegetativen Nervensystems z.B. Puls, Atmung, Schweißabsonderung, Muskelanspannung, u.a. gemessen und über einen Bildschirm sicht- oder hörbar gemacht. Sie können dadurch lernen, diese Körperfunktionen wahrzunehmen sowie direkt und gezielt willentlich zu beeinflussen.

Ziele der Biofeedbacktherapie können z.B. eine verbesserte Körperwahrnehmung, Rhythmisierung der Atmung, Verminderung der Muskelspannung, Beeinflussung der Gefäßweite bei Migränepatienten sein.

Die Atemtherapie ist eine alternative Methode, die Abläufe, die aus dem Gleichgewicht geraten sind, über körpereigene Regulationsmöglichkeiten wieder in Einklang bringen kann.
Sie kann ein Weg zu Ihrem ganz persönlichen Rhythmus, zu Ihren Wünschen und Bedürfnissen sein, die oft durch Lebensumstände oder Erkrankungen keinen Raum mehr haben. Ziel ist es, getragen vom eigenen Atem und angekommen bei sich selbst, wieder aus der eigenen Ruhe und Kraft schöpfen zu können.
Beim kreativen Gestalten können Sie zusammen mit Ihrer Gruppe basteln, malen, zeichnen, kleben, handwerken, etc.. Ziel dabei ist, Ablenkung als Schmerzbewältigungsstrategie zu erleben, Stärken zu entdecken, gemeinsames Erleben zu fördern und was Schönes zu gestalten, das Sie dann auch als Erinnerung mit nach Hause nehmen dürfen.
  • Überprüfung und ggf. Optimierung der aktuellen Schmerzmedikation nach den wissenschaftlich aktuellsten Richtlinien, falls erforderlich auch Medikamentenentzug
  • Individuelle Beratung über Ihre Schmerzerkrankung, Entstehungsmechanismen, medikamentöse und nicht-medikamentöse Behandlungsverfahren zur Selbstkontrolle und Selbstbehandlung
  • Information zur chronischen Schmerzkrankheit
    • Unterscheidung zwischen akutem und chronischem Schmerz
    • Grundlagen der Funktionen des schmerzverarbeitenden Systems
    • Grundlegendes Wissen über Schmerzmedikamente, deren Wirkung, Nebenwirkungen und Einnahmeregeln
    • krankheitsspezifische Aufklärung über z.B. Fibromyalgie, Migränekopfschmerz, Rückenschmerzen, u.a.