Häufig gestellte Fragen

Interdisziplinäre Schmerztagesklinik

Hier halten wir für Sie die Antworten zu Fragen bereit, die uns häufiger gestellt werden.

Schmerz ist ein Leit- und Warnsymptom für eine beginnende oder stattgehabte Verletzung oder Erkrankung des Körpers. Kann die Ursache des Schmerzes erfolgreich behandelt werden, verschwindet der Schmerz. Jedoch kann der Schmerz, trotz Beseitigung seiner Ursache und zielgerichteter Behandlung einer Erkrankung als eigenständiges Symptom weiterbestehen. Dann spricht man vom chronischen Schmerz oder der sog. Schmerzkrankheit. Chronische Schmerzpatienten werden in ihrem Denken und Verhalten vom Schmerz bestimmt und die Erkrankung wirkt sich auf Familie, Freundeskreis, Psyche und berufliche Situation aus. Andererseits begünstigen akute oder langanhaltende seelische, soziale oder berufliche Belastungen die Entstehung von chronischen Schmerzen. So vielschichtig die chronische Schmerzkrankheit in ihrem Charakter ist, so vielfältig muss sie auch behandelt werden.

Auf der wissenschaftlichen Grundlage des bio-psycho-sozialen Krankheitsmodells erfolgt unter Berücksichtigung körperlicher, psychischer und sozialer Aspekte der Schmerzkrankheit die „multimodale” ganzheitliche Behandlung durch ein interdisziplinäres Behandlungsteam. Dieses ist aus Therapeuten verschiedener Berufsgruppen zusammengesetzt. In einem mehrwöchigen Gruppenprogramm werden die Therapeuten zusammen mit ca. 8 Schmerzpatienten wochentags tgl. von 8:00 bis 16:00 Uhr Inhalte der Krankheits- und Schmerzbewältigung erarbeiten. Die Abende und Wochenenden verbringt der Patient zu Hause. Diese sollen dazu genutzt werden, das Gelernte umgehend in den häuslichen Alltag umzusetzen.

Eine häufige Eigenschaft therapieresistenter Schmerzerkrankungen ist, dass Patient und Arzt keine eindeutig körperbezogene Diagnose haben. Oft haben die Patienten ambulant wie auch stationär verschiedenste Diagnostik- und Therapieangebote wiederholt in Anspruch genommen, ohne dass eine klare Ursache ermittelt und eine eindeutige Diagnose gestellt werden konnte. Somit war auch keine gezielte Therapie möglich. Die Folge ist, dass Schmerzpatienten häufig über Jahre hinweg diverse Ärzte durchwechseln („doctor shopping”) und verschiedenste diagnostische und therapeutische Maßnahmen über sich ergehen lassen, ohne zu wissen, wo sie sich speziell hinwenden können.

Aufgrund wiederholter therapeutischer Misserfolge sinkt das Vertrauen der Patienten zur medizinischen Versorgung, was häufig zu einem Polypragmatismus von Seiten der Patienten führt, die sich selbst mit Medikamenten versorgen und sich oft auf teure unkonventionelle Therapieverfahren einlassen.

Wenn Sie unter akuten Schmerzen leiden wie z.B. Tumorschmerzen, komplex regionalem Schmerzsyndrom/ CRPS (früher Morbus Sudeck) oder akutem Herpes zoster, erfolgt eine sofortige Terminvergabe nach telefonischer Absprache mit einem Schmerztherapeuten.

Sie brauchen zur Aufnahme und zum Erstgespräch einen stationären Einweisungsschein und Ihre Krankenkassenkarte. Bei nur einmaliger Vorstellung erhält Ihr Hausarzt einen ausführlichen Arztbrief mit entsprechender Diagnostik- und Therapieempfehlung zur ambulanten Weiterbehandlung; Sie selbst erhalten unmittelbar nach der Erstvorstellung einen schriftlichen Medikamentenplan.

Aufgrund der Komplexität der chronischen Schmerzkrankheit ist die möglichst ausführliche Erfassung durch standardisierte Schmerzfragebögen mit psychologischen Tests erforderlich.

Die Aufnahme in unserer Schmerztagesklinik verläuft deshalb in mehreren Schritten:

  • Lieber Patient, bitte rufen Sie selbst bei uns an, damit wir Ihnen alles Weitere ausführlich erklären können!
  • Wir senden Ihnen ein Schmerztagebuch und einen standardisierten Schmerzfragebogen der Deutschen Schmerzgesellschaft zur ganzheitlichen Erfassung Ihrer Schmerzerkrankung zu.
  • Sie füllen den Fragebogen vollständig aus und senden den Fragebogen und schmerzrelevante Arztbriefe und Befunde aus den letzten 5-10 Jahren in Kopie sowie einen aktuellen Medikamentenplan zurück an die Schmerztagesklinik.
  • Die Unterlagen werden dann durch den Schmerztherapeuten gesichtet.
  • Bitte melden Sie sich 2-3 Tage nach Rücksendung Ihrer Unterlagen bei uns zur Terminvereinbarung für die Erstvorstellung. Sie erhalten dann eine schriftliche Bestätigung dieses Termins!

Zur Aufnahme und zum Erstgespräch benötigen Sie einen stationären Einweisungsschein und Ihre Krankenkassenkarte. Sowohl die Erstvorstellung bei uns wie auch die multimodale Schmerztherapie werden in der Regel von Ihrer Krankenkasse übernommen.

Lediglich bei Privatpatienten und berufsgenossenschaftlichen Verfahren ist eine vorherige Kostenübernahmeerklärung Ihrer Krankenkasse Voraussetzung für die Behandlung.

Bei nur einmaliger Vorstellung erhält Ihr Hausarzt einen ausführlichen Arztbrief mit entsprechender Diagnostik- und Therapieempfehlung zur ambulanten Weiterbehandlung; Sie erhalten unmittelbar nach der Erstvorstellung einen schriftlichen Medikamentenplan.

Folgende Schmerzbilder werden von uns behandelt:

Akute Schmerzen
  • Herpes zoster = Gürtelrose
  • Komplex regionale Schmerzerkrankung = CRPS I + II früher: M. Sudeck, sympathische Reflexdystrophie bzw. Kausalgie
  • akuter Tumorschmerz
  • akute Kopfschmerzen
Chronische Schmerzen
  • Kopf- und Gesichtsschmerzen z.B. Migräne, Spannungskopfschmerz, medikamenteninduzierter Kopfschmerz,
  • Cluster-Kopfschmerz, Trigeminusneuralgie, u.a.
  • Fibromyalgie = Weichteilrheuma, Ganzkörperschmerzen
  • Rückenschmerzen z. B. nach Bandscheibenvorfall, nach Wirbelsäulenoperationen
  • Muskuloskelettale Schmerzen
  • Schmerzen am Bewegungsapparat: Knochen, Gelenke, Muskeln und Sehnen
  • Osteoporose
  • Tumorschmerz z. B. bei Knochenmetastasen
  • Nervenschmerz z. B. nach Verletzung der Nerven, nach Bandscheibenvorfall, u. a.
  • Stumpf- und Phantomschmerz nach Amputation von Gliedmaßen
  • Chronisches CRPS I + II, früher: M. Sudeck, sympathische Reflexdystrophie bzw. Kausalgie
  • Rheumaschmerzen bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises z.B. chronische Polyarthritis, M. Bechterew, u.a.
  • Viszerale Schmerzen z. B. chronische Bauchschmerzen
  • Ischämische Schmerzen bei Minderdurchblutung von Organen oder Extremitäten
  • Somatoforme Schmerzstörung und and. psychosomatische Krankheitsbilder
Medikamentenabhängigkeit
  • Medikamentenentzug bei Fehlgebrauch von nicht-/opioidhaltigen Schmerzmitteln, Triptanen, Benzodiazepinen, u.a.
  • Schmerzlinderung und Reduktion schmerzbedingter Beeinträchtigungen
  • Einstellung und Optimierung der Schmerzmedikamente
  • Anwendung von TENS = transkutan elektrische Nervenstimulation
  • Erlernen von Entspannungstechniken
  • Körperliche Aktivierung mit dem Ziel erhöhter körperlicher Leistungsfähigkeit bei verbesserter Kondition und erweitertem Bewegungsumfang
  • Auseinandersetzung mit psychischen Anteilen der Erkrankung und ggf. Motivation zur ambulanten Psychotherapie
  • Analyse und Veränderung schmerzverstärkender Faktoren
  • Selbstbewusster, eigenverantwortlicher Patient
  • Vermittlung eines biopsychosozialen Krankheitsverständnisses
  • Stärkung der eigenen Ressourcen und Förderung der Eigenaktivität des Patienten
  • Verbesserte Lebensqualität und –zufriedenheit
  • Wieder-/Aufnahme von Hobbies und freudespendenden Aktivitäten
  • Anleitung und Unterstützung zur Umsetzung gelernter Aspekte im Alltag
  • Erweiterung des sozialen Radius
  • Verbesserte Akzeptanz der Körperbeschwerden und vermehrte Achtsamkeit
  • Beratung bei sozialmedizinischen Fragen zur Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit und Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess
Für eine effektive Gruppenarbeit sind folgende Aufnahmekriterien zu erfüllen:

  • Abgeschlossene fachärztliche Diagnostik
  • Ausreichende körperliche und psychische Leistungsfähigkeit, um am ganztägigen Gruppenprogramm aktiv teilnehmen zu können
  • Der Patient ist zur Therapie motiviert und bereit sich auf das Angebot einzulassen.
  • Beherrschung der deutschen Sprache in Wort und Schrift
  • Wohnortentfernung bis ca. 50 km (falls Ihnen eine tgl. Anreise aufgrund der Entfernung nicht möglich ist, können wir ggf. eine Übernachtungsmöglichkeit vermitteln).

Alle anderen Schmerzpatienten erhalten Therapieempfehlungen und werden ggf. ambulanten oder stationären Einrichtungen zugewiesen. Hier steht ein Netzwerk an bayerischen Schmerzambulanzen und stationären Einrichtungen zur Verfügung, allerdings nicht in unmittelbarer Nähe. Ab 2016 ist auch eine stationäre Schmerzbehandlung an Klinikum Weiden geplant.

Die Weiterbildungsordnung kann auf der Homepage der Bayerischen Landeärztekammer (http://www.blaek.de/ unter Weiterbildung/Weiterbildungsordnung 2004/Abschnitt C/Spezielle Schmerztherapie) eingesehen werden. Chefarzt Dr. med. J. Altmeppen hat in 2005 die Weiterbildungsermächtigung zum Erwerb der Zusatzbezeichnung „Spezielle Schmerztherapie” erhalten.

Voraussetzung dafür ist die Arbeit in einer weiterbildungsermächtigten Schmerzeinrichtung über ein Jahr und die regelmäßige Teilnahme an der Interdisziplinären Schmerzkonferenz.

Die offene interdisziplinäre Schmerzkonferenz ist eine von den anästhesiologischen und algesiologischen Fachverbänden und den Berufsverbänden der Psychologen anerkannte Veranstaltung, in der verschiedene Fachdisziplinen gemeinsam über Patienten diskutieren und diagnostische wie therapeutische Schritte beschließen.

Außerdem hat sie gleichzeitig eine Ausbildungsfunktion und die achtmalige Teilnahme im Jahr ist verpflichtend für Schmerztherapeuten und niedergelassene Ärzte, die an der schmerztherapeutischen Grundversorgung teilnehmen.

Von niedergelassenen Kollegen oder Krankenhausärzten werden Patienten, deren Schmerzbehandlung Probleme bereitet, einem interdisziplinären Kreis von ärztlichen und psychologischen Kollegen vorgestellt. Die Erkrankung und die therapeutischen Möglichkeiten werden aus verschiedenen Perspektiven betrachtet, indem die Kollegen der verschiedenen Disziplinen ihre speziellen Fachkenntnisse einbringen. Es steht jedem Teilnehmer offen, seine Patienten vorzustellen.

Die interdisziplinäre Schmerzkonferenz findet jeweils am letzten Mittwoch im Monat im Gruppenraum der Schmerztagesklinik (R 53.15) am Klinikum Weiden statt und bietet eine offene, sektorenübergreifende Plattform zur Vorstellung und Diskussion von Schmerzpatienten und schmerztherapeutischen Fragestellungen sowie zur Diskussion allfälliger Schnittstellenproblematik.
Die Schmerzkonferenz steht allen ärztlichen, psychologischen und physiotherapeutischen Kollegen offen; bei Bedarf organisieren wir auch eine Beteiligung von Krankenkassen- oder Rentenversicherungsvertretern.

Eine Patientenvorstellung durch niedergelassene oder klinisch tätige Kollegen ist jederzeit möglich und explizit erwünscht und sollte rechtzeitig (ca. 4 Wochen vorher) unter Tel.: 0961/303-3241 /-3242 bekannt gegeben bzw. abgestimmt werden. Die BLÄK hat die Veranstaltung mit mind. 3 Fortbildungspunkten bewertet.

Interdisziplinäre Schmerzkonferenz

Wann: jeweils am letzten Mittwoch im Monat
Wo: Vortragsraum der Schmerztagesklinik, 2. OG
Beginn: 17 Uhr
Dauer: ~90 min
Fortbildungspunkte über BLÄK: 3
Anerkennung durch die DGS

Sie können sich gerne in den e-mail-Verteiler der Schmerztagesklink aufnehmen lassen und bekommen dann regelmäßig die Einladung zur Schmerzkonferenz incl. Thema und Referent

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