Logo Kliniken Nordoberpfalz AG

Aufsichtsrat der Kliniken Nordoberpfalz AG steht hinter weiterentwickeltem „Zukunftskonzept 2020“

Februar 2019

Umfangreiches Maßnahmenpaket zum Erhalt der flächendeckenden Grundversorgung und eines hochwertigen Versorgungsangebots beschlossen / Aufbau eines Intersektoralen Gesundheitszentrums in Waldsassen / Umfangreiche Investitionen in Gewinnung und Weiterentwicklung von Mitarbeitern

Der Aufsichtsrat der Kliniken Nordoberpfalz AG hat sich in seiner Klausurtagung am 8. und 9. Februar 2019 hinter das Medizinkonzept des Vorstands für die Zukunftssicherung der AG gestellt. Das Gremium macht damit den Weg frei für umfangreiche Stabilisierungsmaßnahmen. „Wir sind fest davon überzeugt, dass wir mit diesem Konzept den schwierigen Rahmenbedingungen gerecht werden können und unter Erhalt der kommunalen Trägerschaft zwei Dinge erreichen: die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit und die Verbesserung einer zukunftsfähigen und bedarfsgerechten Versorgungssicherheit in der Region“, sagt Wolfgang Lippert, Landrat des Landkreises Tirschenreuth und Vorsitzender des Aufsichtsrats der Kliniken Nordoberpfalz AG. Betriebsbedingte Kündigungen wird es nicht geben.

Die immer enger werdende Verfügbarkeit von Fachkräften vor allem in ländlichen Gebieten sowie die seit Jahren unzulängliche Gegenfinanzierung der Betriebskostensteigerungen machen eine Kompensation auf der Grundlage der bisherigen Strukturen unmöglich. Vor diesem Hintergrund zielt das jetzt vorgelegte weiterentwickelte Zukunftskonzept 2020 im Kern auf vier Handlungsfelder ab, in denen eine Vielzahl an Maßnahmen realisiert wird: die Organisation und Prozesse in den Einrichtungen, die Führungskräfte- und Mitarbeiterentwicklung, Kosteneinsparungen und Erlösoptimierung sowie strukturelle Veränderungen, die vor allem an den Standorten Waldsassen und Tirschenreuth greifen.

Noch im Verlauf dieses Jahres werden – beginnend im Klinikum Weiden – Kernprozesse wie das Aufnahme- und das Entlassmanagement oder die OP-Planung optimiert. Auch das Thema Digitalisierung wird mit Hochdruck vorangetrieben. Im Personalbereich wird die Kliniken Nordoberpfalz AG in die Fortbildung der Führungskräfte und die Gewinnung von Nachwuchs in der Medizin und in der Pflege investieren, um das Unternehmen angesichts des akuten Fachkräftemangels noch stärker als attraktiven Arbeitgeber zu positionieren. Neue Ausbildungsplätze in der Pflege werden ebenso geschaffen wie neue Berufsbilder. Kooperationen mit Hochschulen sollen intensiviert werden, um zum Beispiel langfristig die Kosten für die Arztsuche zu senken.

Außerdem wird die Kliniken Nordoberpfalz AG zusätzliche Leistungen in den Bereichen Pneumologie, Onkologie und Infektiologie anbieten. Kosteneinsparungen entstehen durch eine effizientere Verwaltungsstruktur und die Gründung einer Dienstleistungsgesellschaft für Wirtschaftsbetriebe. Damit können Leistungsbereiche wie Küche und Bettenzentrale in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern reorganisiert und optimiert werden.

Intersektorales Gesundheitszentrum in Waldsassen
Das weiterentwickelte Zukunftskonzept 2020 sieht eine Umwandlung des Standorts Waldsassen in ein Intersektorales Gesundheitszentrum (IGZ) mit einer erweiterten ambulanten Versorgung vor. Die stationäre Akutversorgung in ihrer jetzigen Form wird in diesem Zusammenhang nicht fortgeführt. Stattdessen wird das IGZ unter Einhaltung des Facharztstandards die regionale Grundversorgung mit Schwerpunkt auf allgemeinärztlichen, internistischen und weiteren Angeboten sichern. Mit einer bettenführenden Einheit von 15 bis 20 Plätzen soll eine erweiterte ambulante Versorgung aufgebaut werden, die es Patienten ermöglicht, für wenige Tage stationär in Waldsassen behandelt zu werden. Dies hängt vom Erfolg der Verhandlungen mit den Krankenkassen ab. Für die Umwandlung in ein IGZ wird die Klinikleitung Finanzmittel beantragen, unter anderem aus dem Krankenhaus-Strukturfonds, um die notwendigen Maßnahmen zu finanzieren. Baulich und infrastrukturell ist eine Umwandlung möglich, sodass die Immobilie auch weiterhin sinnvoll genutzt werden kann.

Die 50 Betten der orthopädischen Rehabilitation bleiben von dieser Entscheidung unberührt. „Wir sehen in diesem Bereich dennoch Handlungsbedarf“, sagt Josef Götz, Vorstand der Kliniken Nordoberpfalz AG. „Unser Ziel ist es, die orthopädische Reha langfristig zu erhalten. Durch den Wegfall der Akutversorgung besteht die Chance, dass die Rentenversicherungsträger an der Finanzierung mitwirken. Langfristig können jedoch nur wirtschaftlich nachhaltige Konzepte Bestand haben.“
Deshalb hat der Landkreis Tirschenreuth eine zeitlich befristete Übernahme des Defizits der Orthopädischen Rehabilitation in Aussicht gestellt. Der Landkreis Neustadt/WN wird sich hier mit einem einmaligen freiwilligen Zuschuss in Höhe von 125.000 Euro beteiligen.

Keine betriebsbedingten Kündigungen
„Das Medizinkonzept wird ohne betriebsbedingte Kündigungen umgesetzt – dafür hat sich der Betriebsrat eingesetzt“, sagt Roland Gleißner, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats. Die von den Veränderungen in Waldsassen betroffenen Mitarbeiter werden in anderen Abteilungen oder an anderen Standorten der Kliniken Nordoberpfalz AG eingesetzt. „Wir haben großes Interesse daran, unsere gut qualifizierten und engagierten Mitarbeiter in unserem Unternehmen zu halten. Wir werden hier eng mit dem Betriebsrat zusammenarbeiten, um zu einer bestmöglichen Lösung zu kommen“, so Götz. „Gerade in unserer Region sind wir vom Fachkräftemangel betroffen. Wir möchten unseren Mitarbeitern daher versichern: Wir brauchen jeden Einzelnen von Ihnen!“

Sofortige Umsetzung angestrebt
Die Voraussetzungen für eine sofortige Umsetzung des Medizinkonzepts wird die Klinikleitung umgehend schaffen. Noch im Februar erfolgt die Abstimmung mit dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, den Kostenträgern sowie mit dem Gesamtbetriebsrat und der Gewerkschaft. Die Ergebnisse werden dem Aufsichtsrat in der nächsten Sitzung am 10. April vorgestellt.

 
 

Fragen und Antworten zum erweiterten Zukunftskonzept 2020

1) Was passiert?
Der Aufsichtsrat hat in seiner Klausurtagung am 8./9. Februar einer weiterentwickelten Version des „Zukunftskonzepts 2020“ für die Zukunftssicherung des Unternehmens zugestimmt. Mit diesem Konzept will die Kliniken Nordoberpfalz AG den schwierigen Rahmenbedingungen gerecht werden und unter Erhalt der kommunalen Trägerschaft zwei Dinge erreichen: die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit und damit den Ausbau der zukunftsfähigen und bedarfsgerechten Versorgungssicherheit in der Region.

2) Wie sehen die Maßnahmen im Detail aus?
Das weiterentwickelte „Zukunftskonzept 2020“ besteht im Kern aus vier Handlungsfeldern, in denen eine Reihe von Maßnahmen realisiert wird:
• die Organisation und Prozesse in den Einrichtungen,
• die Führungskräfte- und Mitarbeiterentwicklung,
• Kosteneinsparungen sowie
• strukturelle Veränderungen, die vor allem an den Standorten Waldsassen, Tirschenreuth und Vohenstrauß greifen.

Noch im Verlauf dieses Jahres werden – beginnend im Klinikum Weiden – Kernprozesse wie das Aufnahme- und Entlassmanagement oder die OP-Planung optimiert. Auch das Thema Digitalisierung wird mit Hochdruck vorangetrieben. Im Personalbereich wird investiert. Die Kliniken Nordoberpfalz AG verbessert die Fortbildung der Führungskräfte und die Gewinnung von Nachwuchs in der Medizin und in der Pflege, um das Unternehmen angesichts des akuten Fachkräftemangels noch stärker als attraktiven Arbeitgeber zu positionieren. Ausbildungsplätze in der Pflege werden ebenso neu geschaffen wie weitere Berufsbilder. Kooperationen mit Hochschulen sollen intensiviert werden, um das notwendige Fachpersonal verfügbar zu haben.
Außerdem werden die Kliniken Nordoberpfalz zusätzliche Leistungen in den Bereichen Pneumologie, Onkologie und Infektiologie anbieten. Kosteneinsparungen entstehen durch eine effizientere Verwaltungsstruktur und die Gründung einer Dienstleistungsgesellschaft für Wirtschaftsbetriebe.

3) Warum wird das gemacht? Was sind die Hintergründe?
Wir möchten zunächst klarstellen: Die derzeitige wirtschaftliche Situation hat nichts mit der Leistung der Mitarbeiter zu tun! Die Klinikleitung schätzt das Engagement aller Mitarbeiter, die sich teilweise schon seit vielen Jahren mit viel Herzblut für das Wohl der Patienten einsetzen. Wir setzen auf jeden Einzelnen.
Es sind die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen, die ein „Weiter so“ nicht erlauben und die Einschnitte notwendig machen.
Zudem führt auch der Fachkräftemangel in der Region nicht nur zu steigenden Personalkosten, sondern wird auch existenziell bedrohlich für einen funktionierenden Krankenhausbetrieb. Das betrifft vor allem Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten. Eine Entspannung ist nicht absehbar.
Diese Umstände haben den wirtschaftlichen Druck enorm erhöht, sodass eine interne Kompensation auf der Grundlage der bisherigen Strukturen nicht länger möglich ist.

4) Welche Veränderungen wird es in Waldsassen geben? Welche Leistungen werden auch weiterhin angeboten?
Die akutstationäre Versorgung in Waldsassen wird nicht fortgeführt. Dennoch müssen sich die Bürgerinnen und Bürger keine Sorgen um ihre medizinische Versorgung machen. Die bestmögliche bedarfsgerechte Nahversorgung bleibt erhalten. In Waldsassen wird ein Intersektorales Gesundheitszentrum (IGZ) entstehen und den akutstationären Bereich ersetzen. Es wird – neben der weiterhin bestehenden klassischen ambulanten Versorgung – darüberhinausgehende medizinische und pflegerische Möglichkeiten bieten. Hierfür ist eine erweiterte ambulante Versorgung mit 15 – 20 Betten vorgesehen.

5) Was passiert mit der orthopädischen Reha in Waldsassen?
Die orthopädische Rehabilitation mit 50 Betten bleibt ungeachtet der wirtschaftlichen Situation bestehen. Der Defizitausgleich wird vom Gesellschafter Tirschenreuth bzw. einmalig vom Landkreis Neustadt/WN getragen. Ziel ist es, die Reha auch langfristig zu erhalten. Durch den Wegfall der Akutversorgung besteht die Chance, dass die Rentenversicherungsträger an der Finanzierung mitwirken. Langfristig kann aber nur ein wirtschaftlich nachhaltiges Konzept Bestand haben.

6) Welche Auswirkungen haben die Entscheidungen auf die Mitarbeiter?
Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Angesichts des Fachkräftemangels haben wir großes Interesse daran, gut qualifizierte und engagierte Mitarbeiter in unserem Unternehmen zu halten. Die von den Veränderungen betroffenen Mitarbeiter werden in anderen Abteilungen oder an anderen Standorten der Kliniken Nordoberpfalz weiterbeschäftigt. Wir werden hier eng mit dem Betriebsrat zusammenarbeiten, um zu einer bestmöglichen Lösung zu kommen.
Auch für das geplante Intersektorale Gesundheitszentrum (IGZ) werden Fachkräfte im medizinischen, pflegerischen sowie im Verwaltungsbereich benötigt. Damit wird es auch direkt in Waldsassen weiterhin Beschäftigungsmöglichkeiten geben.

7) Ist die Zukunft der Kliniken Nordoberpfalz AG nach Umsetzung dieser Strukturmaßnahmen gesichert? Ist mit noch mehr Einschnitten zu rechnen?
Durch die Strukturanpassungen werden die Auslastung der Standorte und deren wirtschaftliche Effizienz verbessert. Leistungsangebote werden am Bedarf orientiert optimiert. Mit den beschriebenen Strukturmaßnahmen werden wir das Unternehmen zunächst schnellstmöglich wirtschaftlich stabilisieren. Mittelfristig sind gegebenenfalls weitere Anpassungen notwendig, um auch in Zukunft wirtschaftlich tragfähige und medizinisch sinnvolle Versorgungsstrukturen zu schaffen. Hierbei werden wir uns – wie auch in der Vergangenheit – permanent an den sich ändernden Rahmenbedingungen und dem Fortschritt in Medizin, Pflege sowie den Kommunikationsmöglichkeiten orientieren. Dies wird stets in Abstimmung mit allen Trägern geschehen. Langfristig wollen wir unter der Federführung der Gesundheitsregion Plus sektorübergreifende Versorgungsstrukturen in der nördlichen und mittleren Oberpfalz schaffen. Ein entsprechendes Konzept soll bis Ende 2020 vorliegen.

8) Wie wird die Umsetzung des Zukunftskonzepts finanziert?
Für die Umwandlung in ein IGZ in Waldsassen wird die Klinikleitung Finanzmittel des Bundes und des Freistaats beantragen, unter anderem aus dem Krankenhaus-Strukturfonds und dem „Strukturförderprogramm für kleine Krankenhäuser im ländlichen Raum“. Dadurch sollen unter beispielsweise zusätzliche Investitionen ermöglicht werden.

9) Was sind jetzt konkret die nächsten Schritte?
Die Klinikleitung wird umgehend die Voraussetzungen für eine sofortige Umsetzung des Zukunftskonzepts klären. Noch im Februar erfolgt dann die Abstimmung mit dem Bayerischen Staatsministerium, den Kostenträgern sowie mit dem Gesamtbetriebsrat und der Gewerkschaft. Die Ergebnisse werden dem Aufsichtsrat in der nächsten Sitzung am 10. April vorgestellt.