Darmkrebs durch Vorsorge verhindern – Darmkrebsmonat März

März 2018

Jährlich erkranken mehr als 60.000 Deutsche an Darmkrebs

Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebserkrankung bei beiden Geschlechtern. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts erkranken in Deutschland jährlich rund 35.000 Männer und rund 30.000 Frauen an der Krankheit, die überwiegend ab dem 50. Lebensjahr auftritt. Eine Zahl, die mit geringem Aufwand durch kleine Vorsorgeuntersuchungen deutlich reduziert werden könnte, weiß Prof. Dr. Karl-Heinz Dietl, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Thorax- und Visceralchirurgie am Klinikum Weiden sowie Leiter des Darmkrebszentrums. Er weist im Darmkrebsmonat März auf die enorme Bedeutung und Möglichkeiten der Vorsorgeuntersuchungen hin.

Die wichtigste medizinische Untersuchung und zuverlässigste Methode zur Früherkennung von Darmkrebs ist die Koloskopie, also die Untersuchung des gesamten Dickdarms. Dabei können Gewebeproben entnommen werden und gleichzeitig kleinere Eingriffe durchgeführt werden. „Darmpolypen sind zunächst gutartige Geschwulste im Dickdarm, aus denen rund 90 Prozent der Darmkrebserkrankungen entstehen, wenn diese entarten und sich zu Krebszellen wandeln. Durch die Entfernung der Polypen können wir Darmkrebs also schon im Vorfeld verhindern“, erklärt Prof. Dr. Dietl, Leiter des Darmkrebszentrums am Klinikum Weiden. „Dies ist eine einmalige Chance, die wir bei den anderen Tumorarten nicht haben.“

Je früher dieser Eingriff vorgenommen wird, umso besser sind die Erfolgsaussichten. Spätestens ab dem 50. Lebensjahr sollten deshalb regelmäßig Früherkennungs-Untersuchungen erfolgen, um das Risiko einer Erkrankung zu minimieren. Doch schon in jüngeren Alter kann Darmkrebs vorkommen – der jüngste Patient in Deutschland mit Darmkrebs ist gerade neun Jahre alt. Zu den Warnsignalen für eine Darmkrebserkrankung gehören Blut im oder am Stuhl und veränderte Stuhlgewohnheiten ebenso wie tastbare Verhärtungen im Bauchraum. Aber auch eine allgemeine Müdigkeit und Leistungsabfall können ein Warnsignal sein, so dass vor allem bei Risikogruppen (Vorkommen von Darmpolypen bei nahen Verwandten oder Darmkrebs innerhalb der Familie) schnellstens eine Koloskopie durchgeführt werden sollte.

Doch was, wenn die Diagnose Krebs festgestellt wird? „In unserem Onkologischen Zentrum können wir alle Krebsarten operieren: Speiseröhre, Leber, Magen, Bauchspeicheldrüse, Lunge und natürlich Darmkrebs. Außer bei großen Tumoren, die bereits in andere Organe eingewachsen sind, findet das in fast allen Fällen mit laparoskopischen, also minimal-invasiven, Eingriffen statt“, so Prof. Dr. Dietl. Gerade für ältere Patienten stellen diese Eingriffe, bei denen die Bauchhöhle und die darin liegenden Organe mit starren Endoskopen durch kleinste Öffnungen in der Bauchdecke operiert werden, einen großen Vorteil dar: „Wir können durch diese minimal-invasiven Eingriffe Patienten operieren, die vor zwanzig Jahren keine Operation erhalten hätten, sondern nur noch palliativmedizinisch betreut werden konnten.“

Für jeden Patienten wird in der Tumorkonferenz ein individuelles und optimales Behandlungsschema festgelegt. An dieser interdisziplinären Besprechung sind mehrere Disziplinen beteiligt, wie zum Beispiel die Gastroenterologie, die Visczeralchirurgie, die Onkologie, die Radiologie und interventionelle Radiologie, die Strahlentherapie, die Pathologie, Nuklearmedizin, die Gynäkologie oder die Urologie. Die Zusammenarbeit verschiedener Abteilungen nimmt hier einen äußerst großen Stellenwert ein.

Doch soweit muss es nicht kommen, betont Prof. Dr. Karl-Heinz Dietl: „Mit der Kolosokopie können wir zuverlässig die Dickdarmschleimhaut vergrößert betrachten, an verdächtigen Stellen Proben entnehmen und vorhandene Polypen entfernen. Natürlich ist eine Darmspiegelung nicht unbedingt angenehm, aber wenn dadurch Darmkrebs verhindert werden kann, dann ist das diese kurze Behandlung doch mehr als wert.“