Darmkrebs durch Vorsorge verhindern

März 2019

Darmkrebszentrum am Klinikum Weiden unter Top 3 Deutschlands.

Vor zehn Jahren waren in Deutschland jährlich rund 80.000 Darmkrebs-Neuerkrankungen zu verzeichnen. Durch technische Weiterentwicklungen und eine stetige Sensibilisierung für die zweithäufigste Krebserkrankung konnte die Zahl der neu erkrankten Patienten seitdem um rund ein Viertel gesenkt werden. Auch dem Darmkrebszentrum am Klinikum Weiden kommt hier eine wichtige Rolle zu.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts erkranken in Deutschland jährlich rund 35.000 Männer und rund 30.000 Frauen an der Krankheit, die überwiegend ab dem 50. Lebensjahr auftritt. Diese Zahl ließe sich aber noch stärker reduzieren, weiß Prof. Dr. Karl-Heinz Dietl, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Thorax- und Visceralchirurgie am Klinikum Weiden sowie Leiter des Darmkrebszentrums, der im Darmkrebsmonat März auf die enorme Bedeutung und Möglichkeiten der Vorsorgeuntersuchungen hinweist: „Bei keiner anderen Krebsart kann die Erkrankung schon im Vorfeld erkannt und verhindert werden. Eine Vorsorgeuntersuchung bietet hier eine einmalige Chance, die wir bei anderen Tumorarten nicht haben.“

Bei einer Koloskopie, der wichtigsten medizinischen Untersuchung und zuverlässigsten Methode zur Früherkennung von Darmkrebs wird der gesamte Dickdarm untersucht. Dabei können Gewebeproben entnommen werden und gleichzeitig kleinere Eingriffe durchgeführt werden. Darmpolypen sind zunächst gutartige Geschwulste im Dickdarm, aus denen rund 90 Prozent der Darmkrebserkrankungen entstehen, wenn diese entarten und zu Krebszellen wandeln. Durch die Entfernung der Polypen kann Darmkrebs also schon im Vorfeld verhindert werden.

Je früher dieser Eingriff vorgenommen wird, umso besser sind die Erfolgsaussichten. Spätestens ab dem 50. Lebensjahr sollten deshalb regelmäßig Früherkennungs-Untersuchungen erfolgen, um das Risiko einer Erkrankung zu minimieren. Doch schon in jüngerem Alter kann Darmkrebs vorkommen – der jüngste Patient in Deutschland mit Darmkrebs ist gerade neun Jahre alt. „Blut im oder am Stuhl, veränderte Stuhlgewohnheiten, tastbare Verhärtungen im Bauchraum – das alles können Warnsignale sein. Vor allem bei Risikogruppen, also wenn Darmpolypen bei nahen Verwandten oder Darmkrebs in der Familie diagnostiziert wurden, sollte schnellstens eine Koloskopie durchgeführt werden“, erklärt Prof. Dr. Dietl.

Das Darmkrebszentrum am Klinikum gehört mit 162 behandelten Kolokarzinomen im Jahr 2018 zu den Top 3 der rund 290 Darmkrebszentren in Deutschland. Vor einigen Tagen wurde eine 97-jährige Patientin erfolgreich operiert. In diesem Fall – und auch bei fast allen anderen Eingriffen – erfolgte dies minimal-invasiv, also laparoskopisch. „Wir haben hier am Klinikum Weiden herausragende Möglichkeiten, was die Therapie und Behandlung der Patienten betrifft. In unserem integrierten OP, von dem es weltweit nur zwei dieser Spezifikation gibt, können wir durch kleinste Öffnungen in der Bauchdecke oder bei einer frühzeitigen Erkennung direkt über den Darm eingreifen und somit größere Operationen vermeiden. Auch der OP-Roboter da Vinci bietet uns in Kürze zusätzliche Therapiemöglichkeiten“, so der Leiter des Darmkrebszentrums.

Im Onkologischen Zentrum Nordoberpfalz wird für jeden Patienten in der Tumorkonferenz ein individuelles und optimales Behandlungsschema festgelegt. An dieser interdisziplinären Besprechung sind mehrere Disziplinen beteiligt, wie zum Beispiel die Gastroenterologie, die Visczeralchirurgie, die Onkologie, die Radiologie und interventionelle Radiologie, die Strahlentherapie, die Pathologie, Nuklearmedizin, die Gynäkologie oder die Urologie. Die Zusammenarbeit verschiedener Abteilungen nimmt hier einen äußerst großen Stellenwert ein.

Auch wenn man Krebs nicht aktiv verhindern könne, seien die bekannten Risikofaktoren wie Rauchen, Alkohol oder eine ungesunde Lebensführung im Allgemeinen leicht zu beeinflussen. Doch eine besondere Bedeutung komme eben gerade im Bereich von Darmkrebserkrankungen der Vorsorge zu, so Prof. Dr. Dietl: „Mit der Kolosokopie können wir an verdächtigen Stellen Proben entnehmen und vorhandene Polypen entfernen. Natürlich ist eine Darmspiegelung nicht unbedingt angenehm, aber wenn dadurch Darmkrebs verhindert werden kann, dann ist das diese kurze Behandlung doch mehr als wert.“