Der Kapitän geht von Bord

März 2018

Dr. Norbert Fischer nach mehr als 15 Jahren als Chefarzt der Chirurgie in Tirschenreuth und Waldsassen in den Ruhestand verabschiedet

Im Jahr 2002 wurde der Euro eingeführt, Gerhard Schröder war deutscher Bundeskanzler und das Jahrhunderthochwasser verwüstete weite Teile Deutschlands. Ebenfalls im Jahr 2002, genauer gesagt am 11. November, trat auch Dr. Norbert Fischer seine Tätigkeit als Chefarzt der Chirurgie am Krankenhaus Tirschenreuth und Waldsassen an. Jetzt, mehr als 15 Jahre später, wurde der Mann, wegen dem tausende Patienten in die beiden Häuser gekommen waren, gebührend in den Ruhestand verabschiedet.
Neben Krankenhausleiterin Claudia Kost, dem Ärztlichen Direktor der Kliniken Nordoberpfalz AG, Dr. Thomas Egginger und Tirschenreuths Bürgermeister Franz Stahl waren viele langjährige Mitarbeiter und Chefärzte aus Tirschenreuth und Waldsassen zu der kleinen Feierstunde am letzten Arbeitstag des passionierten Seefahrers gekommen, um diesen besonderen Moment mit ihm zu feiern.

Vor seinem Dienst als Chefarzt war er lange Zeit als Kapitän auf hoher See unterwegs, wie Claudia Kost berichtete – und das ließe sich auch auf seine Tätigkeit in Tirschenreuth und Waldsassen übertragen: „Sie waren der Fels in der Brandung in der Unfallchirurgie. Bei Ihnen waren immer fachliche Kompetenz, menschliche Wärme und ein wundervoller Humor zu spüren – sowohl für die Mitarbeiter als auch für die Patienten.“ Auch in der Weiterbildung sei die Rolle des 65-Jährigen, der 1986 promoviert und von 2005 bis zur Gründung der Kliniken Nordoberpfalz AG als Ärztlicher Leiter das Haus in Tirschenreuth geleitet hatte, überaus wichtig gewesen, so Kost. Er habe etlichen jungen Ärzten eine fundierte Ausbildung in der Chirurgie, Unfallchirurgie und Speziellen Chirurgie in Tirschenreuth und Waldsassen ermöglicht.

Dr. Thomas Egginger bedankte sich für die Leistungen von Dr. Fischer und wofür er als Arzt gestanden habe. Persönliche, soziale und fachliche Kompetenz, Selbstreflexion und ein ständiger Blick auf die Weiterentwicklung einer guten Unternehmens- und Teamkultur seien nur einige Punkte, die mit dem scheidenden Chefarzt verbunden werden könnten. „Sie als Chefarzt der alten Garde haben diese Fähigkeiten gelebt und dabei vor allem nie die Menschlichkeit aus den Augen verloren“, dankte der Ärztliche Direktor der Kliniken Nordoberpfalz AG.

Tirschenreuths Bürgermeister Franz Stahl betonte vor allem die persönliche Komponente, die tausende Patienten immer wieder zur Behandlung zu Dr. Fischer geführt habe: „Was Sie für den Standort Tirschenreuth geleistet haben, ist nicht hoch genug anzurechnen. Die Patienten sind in vielen Fällen nicht in das Krankenhaus an sich, sondern zu Ihnen als Mediziner und Mensch gekommen“, so Stahl.

Auch Gunar Prauschke vom Betriebsrat der Region Nord dankte Dr. Fischer, der sich trotz steigenden wirtschaftlichen Drucks immer als Anwalt für Patienten gesehen habe und für seine Mitarbeiter stets Vorbild und Mitreißer gewesen sei. Eine Einschätzung, die auch OP-Leiter Josef Wach teilte. Er verbinde mit Dr. Fischer „grenzenlosen Optimismus, absolute Flexibilität und Verlässlichkeit“ – neben vielen Unterhaltungen über die Hobbys des Chirurgen, nämlich Bulldogs, Wald- und Gartenarbeit. Da sei eben auch schon mal über Kettenblattgrößen und Motorsägenmodelle diskutiert worden.

Ein Gedanke, der den bald 66-jährigen zum Schmunzeln brachte. Er blicke mit Stolz auf die vergangene Zeit zurück und habe so arbeiten können, wie er es sich bei seinem Antritt vorgestellt habe. Dr. Fischer betonte dabei aber auch die enorme Bedeutung des Teams, gerade im Hinblick auf seine Oberärzte Dr. Binder und Dr. Frank. Er selbst habe sich immer als Kapitän gesehen, der eine Stellung und eine Aufgabe zu erfüllen habe. „Doch Erfolg stellt sich nur ein, wenn das gesamte Team hinter dem Kapitän steht.“ Genau das habe er in seiner Zeit im Stiftland zu jeder Zeit gespürt.

Bevor er sich dann endgültig in den Ruhestand verabschiedete, in dem er sich mehr seiner Frau Simone und seinen Hobbys widmen wolle, hatte der Kapitän dann noch ein großes Lob für die Oberpfälzer und speziell die Region im Gepäck: „Ein Seemann hat bekanntlich ja keine Heimat. Aber am Heck eines Schiffs steht neben dem Schiffsnamen ja auch immer der Heimathafen. Und bei mir steht da Waldsassen.“