Enge Zusammenarbeit im Kampf gegen den Krebs

April 2018

Interdisziplinäre Therapie und Kooperation mit niedergelassenen Ärzten entscheidend

Die Frauenkliniken in Weiden, Tirschenreuth und Amberg behandeln alle Krebserkrankungen der weiblichen Genitalorgane durch ein gemeinsames, spezialisiertes Team. Beim Qualitätszirkel Gynäkologische Onkologie wurde aber auch die enorme Bedeutung der Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Gynäkologen betont. Durch die hohe Zahl der Patientinnen und die gute Kooperation sind die drei Kliniken in der Krebsbehandlung sehr gut aufeinander abgestimmt. Doch die niedergelassenen Frauenärzte sind ebenso wichtige Partner in der Behandlung und der anschließenden Betreuung von Frauen mit Brust-, Gebärmutter- oder Eierstockkrebs. „Sie sorgen durch Früherkennungsuntersuchungen dafür, dass manche Erkrankungen erst gar nicht entstehen oder bereits in einem frühen Stadium erkannt werden. Außerdem verantworten sie die oft jahreslange unterstützende Therapie und helfen Frauen, nach einer überstandenen Krebserkrankung zurück in ein gesundes Leben zu kommen“, erklärt Prof. Dr. Anton Scharl, Direktor der Frauenkliniken in Amberg, Tirschenreuth und Weiden.

Bei dem Qualitätszirkel standen die unterschiedlichen Vorgehensweisen bei verschiedenen Krebserkrankungen im Mittelpunkt. So werden bei Eierstockkrebs beispielsweise multiviszerale Eingriffe, also Operationen an mehreren Organsystemen, durch ein festgelegtes Behandlungsteam durchgeführt. Dazu gehören Narkoseärzte, gynäkologische Onkologen, Chirurgen und zum Teil auch Urologen. Denn alle der meist im gesamten Bauchraum verstreuten Tumore müssen entfernt werden. Dies hat in vielen Fällen eine Operation an mehreren Organsystemen zur Folge, unter anderem an Gebärmutter, Eierstöcken, Darm, Bauch- oder Zwerchfell. Prof. Dr. Karl-Heinz Dietl, Chefarzt der Allgemein- und Visceralchirurgie am Klinikum Weiden, betonte daher die enorme Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit: „Mit Ovarialkarzinomen und multiviszeralen Karzinomen werden Gynäkologen heute mit chirurgischen Problemen konfrontiert, die vor 30 Jahren noch nicht lösbar waren. Daher ist eine enge Kooperation nötig, die bei uns auch gelebt wird.“

Auch weitere gynäkologische Krebserkrankungen wurden thematisiert. So kann Gebärmutterkrebs in den meisten Fällen durch die Entfernung der Gebärmutter und der anschließenden Lymphknoten behandelt werden. Dies erfolgt in Amberg und Weiden fast immer als Schlüssellochoperation, während in vielen anderen Kliniken dafür noch Operationen mit großen Bauchschnitten nötig sind. Durch diese minimal-invasiven Eingriffe erholen sich Patientinnen sehr viel schneller, der Blutverlust ist geringer und Narben fast nicht sichtbar – und die Heilungschance ist genauso gut.

Bei Brustkrebs handelt es sich hingegen um einen Tumor, der durch die weiblichen Geschlechtshormone gefördert wird, die durch die Eierstöcke der Frau gebildet werden. Durch die Antibabypille wird die Hormonproduktion der Eierstöcke gehemmt. Das hat positive Wirkungen auf die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung. Denn Brustkrebs wird durch die Pille nicht häufiger und die Wahrscheinlichkeit, an Eierstock-, Gebärmutter- oder Darmkrebs zu erkranken, wird deutlich vermindert. Somit steigt das Krebsrisiko also nicht durch die Einnahme der Pille, sondern wird im Gegenteil deutlich geringer. In den letzten Jahrzehnten wurde eine Hormongabe nach den Wechseljahren zur Verminderung der Wechseljahrbeschwerden für ein erhöhtes Brustkrebsrisiko verantwortlich gemacht. Forschungen haben aber ergeben, dass dies nicht stimmt. „Mit einer sorgfältig ausgewählten hormonellen Behandlung zur Verminderung von Wechseljahrbeschwerden steigt das Brustkrebsrisiko unter dem Strich nicht an“, betonte Prof. Dr. Scharl.

Auch das Thema Schwangerschaft nach Krebserkrankung wurde besprochen. Eine Schwangerschaft ist auch nach einer Brustkrebserkrankung nicht schädlich und ein Abraten von der Erfüllung des Kinderwunschs nach Abschluss der Therapie deshalb nicht nötig. Ganz im Gegenteil: durch die moderne Medizin kann der Wunsch nach einer Schwangerschaft sogar unterstützt werden.

Am Ende des Qualitätszirkels konnten die Teilnehmer aus Weiden, Amberg, Tirschenreuth, Regensburg, Cham und Marktredwitz vor allem eines mitnehmen: die Regulation des Tumorwachstums wird durch die moderne Krebsmedizin immer besser verstanden. Das ermöglicht die Entwicklung von Medikamenten, die gezielt Schwachstellen von Tumoren angreifen und eine verbesserte Heilungsrate bei geringeren Nebenwirkungen versprechen, bedeutet aber auch, dass die Anforderungen an die Krebsgewebeanalyse sowie die Kenntnisse der Behandler immer höher werden. „Durch die Spezialisierung von Ärzten an den Kliniken Amberg, Weisen und Tirschenreuth und der gemeinsamen Behandlung von Krebspatientinnen wird dem Rechnung getragen“, so Prof. Dr. Scharl.