Früherkennung von Brustkrebs trotz Corona-Pandemie

Brustkrebs weiterhin häufigste Krebserkrankung von Frauen – Oberpfälzer Patientinnen nehmen Screening-Termine gerne wahr

Seit mehr als 100 Jahren ist der 8. März der Internationale Weltfrauentag. Dabei wird weltweit auf Frauenrechte, die Gleichstellung der Geschlechter und bestehende Diskriminierungen aufmerksam gemacht – politisch und gesellschaftlich wichtige Themen. Der Bereich der Frauengesundheit wird dabei oft aber nicht in dem eigentlich nötigen Ausmaß thematisiert. Dazu gehört beispielsweise Brustkrebs: jede achte Frau erkrankt im Lauf ihres Lebens an Brustkrebs – die Diagnose Mammakarzinom wird deutschlandweit jährlich rund 70.000 Mal gestellt.

Gerade daher ist die Früherkennung von Brustkrebs elementar wichtig. Eine Möglichkeit ist die Tastuntersuchung der Brust, die durch Frauen selbst oder einen Gynäkologen durchgeführt werden kann. Frauen, die ihre Brust regelmäßig selbst abtasten, entwickeln ein besseres Gefühl für Veränderungen in der Brust, die auf Brustkrebs hindeuten können. „Tastuntersuchungen sind ein wichtiger erster Schritt, reichen alleine aber nicht aus, um frühzeitig Brustkrebs erkennen zu können“, erklärt Dr. Bernd Hornbacher, Chefarzt der Frauenklinik am Klinikum Weiden, der über die Weiterbildung in spezieller operativer Gynäkologie und den anerkannten Schwerpunkt gynäkologische Onkologie verfügt.

Das wichtigste Instrument in der Früherkennung von Brustkrebs ist daher das Mammographie-Screening bei Frauen zwischen 50 und 69 Jahren. Das Screening eignet sich zur Brustkrebsfrüherkennung, weil sie schon sehr kleine, nicht tastbare Tumore in einem frühen Stadium sichtbar machen kann.

Doch auch das Mammographiescreening wird seit einem Jahr von der CoVid-19-Pandemie stark beeinflusst. Vielerorts sank die Teilnahmerate am Screening-Programm um bis zu ein Drittel. „Nach einer Screeningpause von sechs Wochen im letzten Frühjahr haben wir heute viele individuelle Schutzkonzepte und die Einladungen können weiterlaufen“, erläutert Dr. Thomas Ullein, Programmverantwortlicher Arzt der Screening-Einheit Bayreuth: „Versäumte Früherkennungen können schon zwei Jahre später zu einer erhöhten Sterblichkeit an Brustkrebs führen!“ Die Oberpfälzer Patientinnen würden ihre Termine in der so genannten Erstellereinheit am Klinikum Weiden aber regelmäßig wahrnehmen, betont Dr. Ullein.

Frauen in dieser Altersgruppe sollten die Röntgenuntersuchung der Brust alle zwei Jahre wahrnehmen. Dabei werden von speziell geschulten Röntgenfachkräften zwei Aufnahmen von jeder Brust angefertigt. Dazu wird die Brust zwischen zwei Platten gepresst. Danach werden die Bilder durch Experten ausgewertet. „Der große Vorteil des Mammographie-Screenings ist, dass Brustkrebs im Frühstadium entdeckt werden und damit besser und schonender behandelt werden kann“, so Prof. Dr. Christian Paetzel, Chefarzt des Instituts für Radiologische Diagnostik, Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie am Klinikum Weiden.

Lässt sich ein Screening-Befund nicht eindeutig klären, kann ergänzend eine Ultraschalluntersuchung der Brust (Mammasonongraphie) oder ein MRT durchgeführt werden. „Zur endgültigen Abklärung wird eine Gewebeprobe mit einer so genannten Stanzbiopsie entnommen. Grundsätzlich gilt: je früher ein Tumor entdeckt wird, umso höher sind die Erfolgsaussichten der Behandlung und umso schonendere Behandlungen können erfolgen, zum Beispiel mit brusterhaltenden Maßnahmen“, erklärt Dr. Bernd Hornbacher.

Und gerade aus diesem Grund sollten die Termine zum Mammographie-Screening eingehalten werden. Denn Früherkennung ist keine Frage des Körperempfindens oder der Familiengeschichte, darauf weist Dr. Thomas Ullein hin: „In der Screening-Einheit nördliche Oberpfalz und Oberfranken-Ost mit den Erstellereinheiten am Klinikum Weiden und in Marktredwitz verhalten sich die eingeladenen Frauen vorbildlich und lassen sich nicht von der Chance auf Früherkennung abhalten.“

„Patientinnen, die Auffälligkeiten bei sich selbst ertasten, sollten natürlich auch außerhalb des eigentlich Screening-Intervalls ihren Hausarzt oder Gynäkologen zur weiteren Abklärung aufsuchen“, ergänzt Prof. Dr. Christian Paetzel.