Mit Francesca Ignaccolo (3. v. r.) und ihrer Beleghebammenpraxis „Il mio bambino“ bekommt die Geburtshilfe-Abteilung am Krankenhaus Tirschenreuth mit Chefarzt Kurt Weber, Hebamme Margarete Ackermann und Krankenhausleiterin Claudia Kost (v. l.) sowie Frauenarzt Dr. Konrad Schmid (r.) seit dem 1. Januar Unterstützung. Und mit Hospitantin Ildikó Reman (3 v. l.) steht eine weitere Kandidatin in den Startlöchern. Foto: Kliniken Nordoberpfalz AG

„In unserer Familie wächst eine neue Generation heran“

Francesca Ignaccolo mit ihrer Hebammenpraxis „Il mio bambino“ unterstützt seit 1. Januar die Geburtshilfe-Abteilung am Krankenhaus Tirschenreuth

„Il mio bambino“ – „mein Baby“: Der Name der neuen Beleghebammenpraxis für die Geburtshilfe am Krankenhaus Tirschenreuth könnte passender nicht sein. Denn seit Anfang Januar darf sich Chefarzt Kurt Weber über die Unterstützung der Hebamme Francesca Ignaccolo freuen, die sich nun zusammen mit Margarete Ackermann um die werdenden Mütter im Stiftland kümmert. „Ich freue mich, dass ich die Chance bekommen habe, hier zu arbeiten“, sagte die sympathische 26-jährige Hebamme aus dem italienischen Vittoria, als sie am Montagabend im Beisein von Chefarzt Weber, Krankenhausleiterin Claudia Kost, ihrer Hebammen-Kollegin Margarete Ackermann und dem niedergelassenen Frauenarzt Dr. Konrad Schmid offiziell begrüßt wurde.

Nachdem Ende 2016 zwei der drei bisherigen Hebammen den wohlverdienten Ruhestand angetreten haben, hatte Weber noch eine weitere Überraschung parat. Mit Ildikó Reman hospitiert derzeit eine weitere Hebamme im Tirschenreuther Krankenhaus, die, sollten alle Voraussetzungen passen, dann das Team wieder vervollständigen könnte. „In unserer Familie wächst eine neue Generation heran“, so Weber, der anfügte, dass die Geburtshilfe in Tirschenreuth und im Stiftland Zukunft“ habe.

Deren Einzugsbereich reiche von Wunsiedel bis Waidhaus und von Arzberg bis Wernberg-Köblitz – Weiden mit eingeschlossen. Nur der persönliche Kontakt zu den Kollegen sei der Garant für eine nahtlose Betreuung. „Als Mitte letzten Jahres die Kunde die Runde machte, dass sich zwei Urgesteine an Hebammen in den verdienten Ruhestand verabschieden werden, brodelte die Gerüchteküche.

Manche sahen unseren Kreißsaal schon die Pforten schließen, manche konnten oder wollten sich gar nicht vorstellen, dass es auch noch jemand andern gibt als die altbekannten Gesichter“, blickte der Chefarzt zurück. Allen Unkenrufen zum Trotz sei der Personalabteilung der Kliniken Nordoberpfalz AG Erfolg beschieden gewesen. Weber nannte in diesem Zusammenhang besonders Personalchef und Prokurist Martin Neuhaus, der durch Ausdauer und dem Ehrgeiz in Italien schließlich fündig geworden sei.

Auf dem Weg nach Malta, Weber wollte dort seine Tochter zu besuchen, hatte er in  Sizilien für das Bewerbungsgespräch mit Ignaccolo eine Zwischenlandung eingelegt. Und: „Die Chemie hat gleich gestimmt.“ So wie Ignaccolo im September hospitiert seit Montag mit Reman die nächste Kandidatin. „Beide haben den Beruf der Hebamme an einer Universität studiert – für die Nordoberpfalz ein absolutes Novum. In Deutschland ist dieser Studiengang erst an drei Standorten im Aufbau“, wusste Weber, der beiden viel Erfolg wünschte. „Sich im oberpfälzischen Dialekt zurechtzufinden, ist die Aufgabe der Zukunft. Aber die Kommunikation beim Geburtsvorbereitungskurs und im Kreißsaal wird ohnehin von Empathie bestimmt, und davon bekommen Ignaccolos Patientinnen nicht zu wenig“, so der Chefarzt weiter.

Mit den beiden neuen Kräften wird die Lücke überbrückt, bis das Hebammen-Stipendium greift. Es wurde vom Vorstand eingerichtet, um dem Nachwuchs aus der Region bis zum Ende der Ausbildung unter die Arme zu greifen und – das ist das Wichtigste – die jungen Damen zum Dableiben zu ermuntern, ganz nach dem Motto: „Aus dem Stiftland für das Stiftland!“ Mit Ignaccolo und – wenn es klappt auch mit Reman – werde der Grundstein gelegt für eine Hebammengemeinschaft, von der die Schwangeren gemeinsam betreut werden.

Das werde schon in der frauenärztlichen Sprechstunde gleich nebenan im heuer entstehenden MVZ beginnen, wo die neuen Hebammen in die Mutterschaftsvorsorge eingebunden sein werden. So werde aus dem Schlagwort der „Verzahnung von Ambulant und Stationär“ gelebte Wirklichkeit. Parallel zum neuen System wird Ackermann ihre Patientinnen rund um die Uhr weiter betreuen.

„Ihr ist vor allem dafür zu danken, dass sie Francesca Ignaccolo offen auf- und angenommen und in fast schon mütterlicher Art ins Arbeitsumfeld, in die lokalen Besonderheiten, Sitten und Gebräuche eingeführt hat“, so Weber. In die gleiche Kerbe schlug auch Krankenhausleiterin Kost, die die neuen Hebammen begrüßte und sich ganz herzlich bei Ackermann für deren tolle Unterstützung bedankte.