Organspenden am Klinikum Weiden auf hohem Niveau

Februar 2018

Bei Durchführung von Organspenden bayern- und bundesweit in der Spitzengruppe

Die Kliniken Nordoberpfalz AG hat sich dem Thema Organspende in den letzten Jahren sehr aktiv angenommen. Mit vielen Informationsveranstaltungen für die breite Öffentlichkeit, wie zum Beispiel im Rahmen des Nofi-Laufs 2017, einem bewussten und sensiblen Umgang mit Kritikern der Organspende, aber auch einer Vielzahl von Schulungen von pflegerischen und ärztlichen Mitarbeitern konnte man in den vergangenen Jahren für dieses Thema gut sensibilisieren.

Unter der Leitung von Andreas Faltlhauser, dem transplantationsbeauftragten Arzt der Kliniken Nordoberpfalz AG, wurden nachhaltige und professionelle Strukturen entwickelt, um den fachlichen wie emotionalen Anforderungen in diesem schwierigen Arbeitsbereich gerecht zu werden. Mit einem Qualitätszirkel Organspende werden alle Maßnahmen in diesem Bereich koordiniert und überwacht. Dies gilt für konkrete medizinische Fragestellungen ebenso wie für Fortbildungsmaßnahmen oder Veranstaltungen für die Öffentlichkeit.

Jede der Intensivstationen am Klinikum Weiden sowie die Intensivstation am Krankenhaus Tirschenreuth hat einen eigenen transplantationsbeauftragten Arzt. „Gerät ein Patient in die Situation, dass der irreversible Ausfall der Hirndurchblutung – so der medizinisch korrekte Ausdruck für den landläufig verwendeten Begriff Hirntod – droht, steht dem Arzt in der Beratung und Betreuung der Angehörigen ein Team von Spezialisten zur Verfügung. Besonders geschulte Mitarbeiter unterstützen die Angehörigen in dieser emotionalen Ausnahmesituation und führen die immer sehr schwierigen Gespräche“, erklärt Andreas Faltlhauser. Ergänzt wird dieses Angebot durch geistlichen Beistand und gegebenenfalls auch durch die Hilfestellungen einer Psychologin.

Unter den immer noch sehr präsenten Erfahrungen des Organspende-Skandals von 2012 haben viele Menschen Vorbehalte gegenüber der Organspende. Daher wurde außerhalb des Krankenhausbudgets zusätzlich eine Stelle geschaffen, in der sich eine Person organisatorisch um alle Themen der Organspende an den Kliniken Nordoberpfalz AG kümmern kann. Dies zeigt den hohen Stellenwert, den das Thema Organspende bei der Kliniken Nordoberpfalz AG einnimmt.

Dass die Zahl der Spender im vergangenen Jahr bundesweit rückläufig ist, wird häufig damit begründet, dass Krankenhäuser nach dem Transplantationsgesetz verpflichtet sind, potentielle Organspender zu melden, dies aber in vielen Fällen nicht durchführen. Bei der Kliniken Nordoberpfalz AG geschieht dies jedoch in allen Fällen. Im Durchschnitt versterben in den Häusern der Kliniken Nordoberpfalz AG pro Jahr etwa acht Patienten an Hirntod. Häufig handelt es sich dabei um Patienten, die eine Hirnblutung, einen Schlaganfall oder einen Herzkreislaufstillstand erlitten haben. Unabhängig vom Grunde des Hirntods schreibt das Transplantationsgesetz strenge Regeln für die Feststellung des irreversiblen Hirndurchblutungsausfalls vor. Dieser muss anhand einer klinischen Untersuchung von zwei intensivmedizinisch erfahrenen Fachärzten, von denen einer zusätzlich Facharzt für Neurologie sein muss, festgestellt werden. Erst nach einem weiteren technischen Nachweis, zum Beispiel einer CT-Untersuchung, dass das Gehirn des Patienten dauerhaft nicht mehr durchblutet werden kann, wird der Hirntod festgestellt – mit diesem Moment ist der Patient nach deutschem Recht verstorben.

Diese Feststellung ist die Grundvoraussetzung für eine Organspende. Ohne nachgewiesenen Hirntod kann keine Organspende erfolgen. Die fachlich korrekte Durchführung der Hirntoddiagnostik wird durch Mitarbeiter der „Deutschen Stiftung Organtransplantation“ (DSO), einem gemeinnützigen Verein, der mit der Organisation der Organspende in Deutschland beauftragt ist, überprüft. Erst wenn auch hier nach dem Vier-Augen-Prinzip alle Befunde und Abläufe erneut kontrolliert wurden, kann eine Organspende erfolgen.

„Auch bei der Kliniken Nordoberpfalz AG wird dieses Vorgehen streng nach den gesetzlichen Vorschriften umgesetzt“, bestätigt der Ärztliche Direktor der Kliniken Nordoberpfalz AG, Dr. Thomas Egginger. Neben der nachweislich hohen Qualität der Versorgung von Patienten mit drohendem Hirntod wird hier auch großer Wert auf die professionelle Betreuung der Angehörigen der Betroffenen in dieser schwierigen Situation gelegt. Die verpflichtenden Angehörigengespräche zur Organspende werden ausschließlich durch eigens geschulte Mitarbeiter geführt. „Das Engagement, das alle Beteiligten rund um das Thema Organspende zeigen, ist bemerkenswert und erfüllt uns mit Stolz“, ergänzt Dr. Egginger.

„Eine Organspende bedeutet einen hohen organisatorischen Aufwand im Ablauf. Auf diesem Wege lösen wir es aus dem Routinebetrieb heraus. Die Betreuung von Patient und Angehörigen erfolgt dabei immer individuell“, so Faltlhauser. Besonders wichtig ist es dem Team, das für die Organspende verantwortlich ist, dass die Gespräche mit den Angehörigen ergebnisoffen geführt werden. „Wir haben dabei nur ein Ziel: eine stabile Entscheidung für oder gegen die Option einer Spende durch den Betroffenen.“

Ein Organspendeausweis, in dem der Patient seine Wünsche dokumentiert, ist hier von großer Bedeutung, doch auch eine Willensäußerung im Rahmen einer Patientenverfügung oder einer Vorsorgevollmacht ist hilfreich. Doch leider zeigt sich immer wieder, dass dieses Thema in der Nordoberpfalz in der Öffentlichkeit noch immer nicht gut verankert ist. Nur ganz wenige Patienten haben einen Organspenderausweis. Und auf diesem kann auch die Ablehnung einer Spende explizit dokumentiert werden.

Durch all diese Maßnahmen ist es gelungen, die Zahlen der Organspenden am Klinikum Weiden entgegen dem Trend in Bayern und auch bundesweit zunächst zu steigern und nun seit einigen Jahren stabil hoch zu halten. „Im Vergleich zu anderen Kliniken in Bayern, die ebenfalls nicht über eine voll umfängliche Neurochirurgie verfügen, rangieren wir beim Blick auf die durchgeführten Organspenden bayern- und bundesweit sogar in der Spitze“, erläutert Faltlhauser, für den diese Zahlen aber kein Qualitätsmerkmal sind, da sich hinter jeder Spende ein trauriges Schicksal verbirgt. Er sieht die Statistik lediglich als Bestätigung für gute Arbeit und Lohn für den Aufbau nachhaltiger Strukturen. „Wichtig ist, dass die Angehörigen mit dem Gefühl, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, die Station verlassen nachdem ihr Angehöriger verstorben ist. Denn oft steht eine mögliche Spende bei den Gesprächen, gerade mit Menschen, die der Organspende ablehnend gegenüberstehen, gar nicht im Vordergrund.“ Vielmehr sei es wichtig, diese Menschen in einer psychologischen Ausnahmesituation zu betreuen, weil oftmals der Hirntod sehr abrupt und nicht als Ende eines langen klinischen Verlaufs eintritt.