Ringarzt, Unfallchirurg, Ausbilder

Februar 2018

Prof. Dr. Walter Wagner leitet derzeit mit Dr. Peter Heckrodt die Chirurgie am Krankenhaus Kemnath

Mehr als 23 Jahre war er Chefarzt der Unfallchirurgie am Klinikum Bayreuth, hat jahrelang die Profis des 1. FC Nürnberg betreut und ist international geschätzter Ringarzt bei Box-Weltmeisterschaftskämpfen: Prof. Dr. Walter Wagner. Der gebürtige Bayreuther, der Anfang März seinen 67. Geburtstag feiert, ist außerdem – und das ist für die Region nicht ganz unwichtig – seit Februar leitender Arzt der Klinik für Chirurgie am Krankenhaus Kemnath der Kliniken Nordoberpfalz AG.
Ab 01. März ist dann Dr. Florian Höhler der neue Chefarzt, doch in der Zeit der Einarbeitung erhält er weiterhin Unterstützung von Prof. Wagner, der von 1994 bis 2016 die Unfallchirurgie in Bayreuth leitete und seitdem für das MedCenter in Bayreuth tätig ist. Derzeit führt er aber die Klinik in Kemnath und sein Fazit nach den ersten Wochen ist mehr als positiv: „Dr. Hofmann hat gemeinsam mit Dr. Heckrodt hier eine hervorragende Chirurgie aufgezogen. Es herrscht ein tolles Klima und die Arbeit macht einfach Spaß. Ich kann vor diesem Team nur meinen Hut ziehen“, so Prof. Wagner, der auch viele Jahre Chefarzt des Rettungshubschraubers Christoph 20 war.

Seit 2017 gehört er zum Team des MedCenters in Bayreuth, das ein wichtiger Kooperationspartner für das Krankenhaus Kemnath ist. „Dr. Gruber und sein Team sind uns hier sehr entgegengekommen und haben uns hervorragend unterstützt. Das zeigt einmal mehr die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen unserem Haus und dem MedCenter“, bedankt sich Carina Ascherl, Krankenhausleiterin in Kemnath, beim MedCenter für das Einverständnis, dass Prof. Wagner in Kemnath tätig sein kann.
Für ihn selbst sei es eigentlich selbstverständlich gewesen, das Krankenhaus in Kemnath zu unterstützen, hat er doch selbst eine enge Beziehung zur Region: denn Dorle Eyrich, Tochter des 2011 verstorbenen langjährigen Geschäftsführers der Stadt Kemnath, Stadtarchivars und Ehrenbürgers Hans Vitzthum, ist die Patentante seiner Zwillinge.

Wobei Prof. Wagner, dessen Schule auch verschiedene im MedCenter tätige Ärzte wie Dr. Gruber, Dr. Eggers, Dr. Benz oder Dr. Lex durchlaufen haben, sich überall wohl zu fühlen scheint – schon allein wegen seiner Tätigkeiten außerhalb von Kliniken und Krankenhäusern. Zwei Mal war er Vizepräsident des Bunds Deutscher Berufsboxer, ist seit 1980 Verbandsarzt und auch als Ringarzt aktiv. Zur langen Liste seiner Patienten, die sich wie ein Who-is-Who der Boxweltmeister liest, gehören auch Henry Maske oder Evander Holyfield („Der hat auch mit 45 Jahren geboxt wie ein 30-Jähriger“). Prof. Wagner war 1980 dann auch verantwortlich für die Einführung von Jahreshauptuntersuchungen für Boxer, die auch heute noch verpflichtend sind oder führte – als erster weltweit – Dopingkontrollen nach
Meisterschaftskämpfen ein. Auch heute ist er regelmäßig als Ringarzt im Einsatz, auch bei Kämpfen bekannter deutscher Boxer wie Jürgen Brähmer oder Vincent Feigenbutz.

Dass er, der auch Muhammad Ali oder Max Schmeling bestens kannte, da interessante Anekdoten zu erzählen hat, wissen nicht nur seine Patienten. So war er beispielsweise – gemeinsam mit Waldemar Hartmann – dafür verantwortlich, dass der deutsche Boxer Markus Beyer 2005 seinen WM-Titel gegen den Australier Danny Green verteidigen konnte. Der Kampf war nach einem Kopfstoß von Green gegen Beyer eigentlich schon abgebrochen worden, weil Beyer einen vertikalen Cut davon getragen hatte. Der Australier wäre Punktsieger geworden, doch Regelkenner und Ringarzt Wagner hielt Ringsprecher Waldemar Hartmann so lange hartnäckig und überzeugend von der Ergebnisverkündung ab, bis die Punktrichter ihren Fehler erkannt und das Ergebnis korrigiert hatten – und Beyer blieb Weltmeister. „Bedankt hat er sich dafür aber bis heute noch nicht“, so Prof. Wagner.

Sein Boxwissen konnte er dann auch als langjähriger Mannschaftsarzt des 1. FC Nürnberg nutzen – in einer Zeit mit Spielern wie Dieter Eckstein, Andreas Köpke, Hansi Dorfner, Stefan Reuter, Roland Grahammer oder auch Uwe Rösler. „Der war nach einem Platzverweis mal so sauer, dass er auf den Schiedsrichter losgehen wollte. Ich habe ihn dann ausgeknockt, in den Schwitzkasten genommen und so Schlimmeres verhindert“, erzählt Prof. Wagner lachend.Ereignisreiche und auch turbulenten Zeiten seien das gewesen damals beim Club – egal ob im normalen Ligabetrieb oder auch in den Trainingslagern, in denen der ein oder andere
gern mal auch über die Stränge geschlagen habe. Der beste Trainer aus dieser Zeit? „Hermann Gerland. Der hatte einen Blick für die jungen Spieler der Zukunft.“

Und was die Zukunft betrifft, macht er sich auch keine Sorgen um das Krankenhaus Kemnath. Mit Dr. Höhler übernimmt ein Chefarzt, der einen „top Eindruck“ macht und sich auf ein Team freuen kann, das Prof. Wagner so noch nicht erlebt habe: „Bei dieser Truppe hier im Haus kann nichts schief gehen.“ Gute Aussichten also für die Region, beurteilt von einem, der in seinem Leben schon viel gesehen und erlebt hat.