Neurophysiologie

Neurologische Klinik

Aufgabe der Neurophysiologie ist es, mittels Messungen der elektrischen Leitfähigkeit von Nerven, Schädigung des Gehirns, des Rückenmarks und des peripheren Nervensystems, also der Nervenbahnen an Armen und Beinen sowie im Kopfbereich, aufzudecken. Die Messverfahren bedienen sich verschiedener Reize. Wir verwenden akustische, optische, elektrische oder (elektro-) magnetische Reize, um damit eine Antwort verschiedener Gehirnareale, Nerven oder Muskeln im Bereich des Körpers hervorzurufen.

Wir unterscheiden zwischen motorischen Nerven (die die Übertragung von Impulsen vom Gehirn zu bestimmten Muskelgruppen gewährleisten) und sensiblen Nerven (die die Informationen über Hautreize, Schmerzen, Gelenkstellung u.a. zum Gehirn) weiterleiten.

Darstellung der Gehirnaktivität

Mit Hilfe von einigen hundert wiederholten Reizungen sensibler Nerven (somatosensibel evozierte Potentiale = SEP) gelingt es uns, auch Gehirnaktivität darzustellen, die im Bereich von 1 bis 2 Millionstel Volt liegt.

Bei diesen Messungen messen wir die Zeit, die ein elektrischer Impuls braucht, um von der Hand oder vom Fuß bis ins Gehirn zu gelangen. Des Weiteren registrieren wir Seitenunterschiede nach Stimulation der rechten oder linken Seite (sei es Augen, Ohren, Arme oder Beine) und können daraus auf krankhafte Veränderungen schließen.

Vom Patienten unbemerkte Veränderungen, die dennoch vorhanden sind und für die richtige Diagnose wegweisend sein können, decken wir mit neurophysiologischen Untersuchungen auf.

Untersuchung der verschiedenen Muskeln

Mit einer Magnetspule können wir die Gehirnoberfläche stimulieren, um eine Muskelantwort an der Hand oder am Fuß zu bekommen (motorisch evozierte Potentiale = MEP). Schließlich messen wir durch Nadelableitung (EMG) aus verschiedenen Muskeln krankhafte Veränderungen, die den Muskel (z.B. Muskelentzündungen), die Übertragung von Nerv zu Muskel oder die Nerven selbst betreffen (z.B. bei bandscheibenbedingten Nervenschädigungen).

Die EMG-Untersuchungen sind außer bei Patienten mit Blutgerinnungsstörungen („Blutern“) und Marcumar-Patienten ohne Nebenwirkungen durchführbar: Der Nadeleinstich ist wie jeder Nadelstich ein wenig schmerzhaft.

Neben den letztgenannten Erkrankungen diagnostizieren wir entzündliche Erkrankungen von Gehirn und Rückenmark (z.B. Multiple Sklerose), Rückenmarks-schädigungen (z. B. Querschnittslähmungen nach Unfall oder bösartigen Erkrankungen), aber auch diffuse Schädigungen des peripheren Nervensystems (sogenannte Polyneuropathie) oder Schädigungen einzelner Nerven an Armen und Beinen nach Unfällen.

Mittels dieser Messmethoden können wir neurologische Erkrankungen bei Patienten vom Säuglingsalter an diagnostizieren.