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Neurologische Klinik

Akutbehandlung der TIA kann Schlaganfälle verhindern

Mittwoch, 31. Oktober 2007, Oxford – Einen Schlaganfall können Ärzte häufig verhindern, wenn Patienten mit einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA) unmittelbar in Stroke Units behandelt werden. Auf eine in der Zeitschrift Lancet publizierte entsprechende Studie der Oxford Universität hat die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft hingewiesen (The Lancet 2007; 370: 1432-1442).

„Eine TIA ist Ausdruck einer vorübergehenden umschriebenen Minderdurchblutung im Gehirn. Dabei handelt es sich um plötzlich auftretende Symptome wie halbseitige Lähmungen sowie Sehstörungen, Sprachstörungen oder auch nur um einen herabhängenden Mundwinkel. In den meisten Fällen sind die Symptome schon innerhalb weniger Minuten wieder verschwunden“, sagt der erste Vorsitzende der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft, Martin Grond. Jeder Zehnte erleide innerhalb der nächsten drei Monate einen weiteren Schlaganfall, die Hälfte davon bereits innerhalb von zwei Tagen. „Jede TIA ist deshalb ein medizinischer Notfall“, betont Grond mit Verweis auf die Lancet-Publikation.

Die britischen Mediziner hatten 2002 eine Sprechstunde für Patienten mit TIA oder leichtem Schlaganfall eingerichtet. Von April 2002 bis Ende September 2004 wurden die Patienten dort nur untersucht und mit Behandlungsempfehlungen an den Hausarzt zurück überwiesen (Phase I). Es dauerte im Durchschnitt drei Tage, bis die Patienten abschließend untersucht waren und 20 Tage, bis sie ihre Medikamente erhielten. Von Oktober 2004 bis Ende März 2007 übernahmen die Oxford-Spezialisten selbst die Behandlung (Phase II). Jetzt wurden die meisten Patienten noch am gleichen Tag untersucht und erhielten innerhalb eines Tages ihre Medikamente. Die Nachbetreuung erfolgte durch die Stroke Units.

Untersuchungsgröße war das Risiko, in den ersten 90 Tagen nach der Erstuntersuchung einen Schlaganfall zu erleiden. Die Auswirkungen der beiden Organisationsformen waren gravierend: Während in Phase I zehn Prozent der Patienten (32 von 310) innerhalb von 90 Tagen einen Schlaganfall erlitten, waren es in Phase II nur zwei Prozent (6 von 281 Patienten). Die Risikoverminderung war vom Alter und vom Geschlecht unabhängig.

„Ein früher Beginn der Behandlung nach einer TIA oder einem kleinen Schlaganfall reduziert das Risiko für einen nachfolgenden Schlaganfall um 80 Prozent“, so die Oxforder Wissenschaftler.

In Deutschland sind im Augenblick in mehr als 180 Kliniken Stroke Units eingerichtet. Auch die mittlere und nördliche Oberpfalz ist mit ihren Stroke Units in Weiden und Amberg gut versorgt. „Leider werden aber viele Patienten mit TIA nicht als medizinischer Notfall erkannt und nicht in eine Stroke Unit eingewiesen“, sagte der Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, Hans-Christoph Diener, Universität Essen. Spätestens nach den Ergebnissen dieser Studie sollte jeder Patient mit TIA oder Schlaganfall vom einweisenden Arzt oder Rettungsdienst ohne Zeitverzögerung direkt in eine Stroke Unit eingewiesen werden. Stroke Units retten Leben und – noch viel wichtiger – sie können bleibende Behinderungen vermeiden oder in vielen Fällen zumindest verringern.