Gelenkchirurgie

Medizinisches Versorgungszentrum Stiftland gGmbH

Es muss nicht immer gleich operiert werden – jedoch ist es ab einem bestimmten Stadium des Gelenkleidens notwendig. Natürlich versuchen wir Ihre Gelenkprobleme so lange wie möglich konservativ durch Physiotherapie und gelenkstabilisierende Orthesen zu lindern.

Gelenkbeschwerden haben viele Ursachen. Oft sind diese nicht auf einen Unfall zurückzuführen, sondern entwickeln sich langsam. Schleichend kommt es zu einer Zunahme der Schmerzen, unterbrochen von Phasen einer scheinbaren, aber leider meist vorübergehenden Besserung oder sogar Schmerzfreiheit.

Auch kleine Unfälle, welche nicht einmal das später schmerzhafte Gelenk selbst betreffen müssen, einseitige Belastungen im Beruf oder auch in der Freizeit können den natürlichen Bewegungsablauf im Körper nachhaltig stören und zu einer chronischen Überbelastung in einem oder mehreren Gelenken führen.

Kleinste Verletzungen im Gelenkinnenraum, z. B. des Gelenkknorpels oder der Menisken können der Anfang der Entwicklung eines fortgeschrittenen Gelenkverschleißes sein. Eine frühzeitige, konsequente, diagnostische Abklärung und Therapie der Gelenkbeschwerden kann Spätschäden verhindern oder zumindest deren Entstehung deutlich verlangsamen.

Die Wiederherstellung der natürlichen Verhältnisse in einem Gelenk oder das Erreichen von möglichst geringen Restbeschwerden ist heute das Ziel der Therapie.

Das ist kein Gegensatz, eher sollte nach dem Grundsatz gehandelt werden:

Solange konservativ wie möglich, so früh operativ wie nötig!

Vor allem eine krankengymnastische Übungsbehandlung in Kombination mit z. B. Kälte- oder Wärmeanwendungen, Schonung und dem anschließenden gezielten Belastungsaufbau helfen die Funktion eines Gelenks zu verbessern. Die Änderung von Arbeitsabläufen, der Wechsel von Sportarten oder, vor allem bei Gelenkbeschwerden der Beine, eine abgestimmte Schuh- und Einlagenversorgung tragen entscheidend zum Erfolg der Therapie bei.

Durch die operative Wiederherstellung oder Verbesserung der Funktion eines Gelenks werden oft erst die Voraussetzungen geschaffen o.g. Therapien erfolgreich einsetzen zu können. Diese werden heute überwiegend arthroskopisch, d.h. durch eine Gelenkspiegelung durchgeführt. Das Spektrum reicht von der einfachen Teilentfernung eines Meniskus oder der Glättung eines aufgefaserten Gelenkknorpels bis hin zu einer Bandersatzoperation.

Bei einem fortgeschrittenen Gelenkverschleiß hilft jedoch nur noch die Implantation eines künstlichen Gelenks.

Je nach Art des Gelenkleidens wurden dem Patienten bisher Physiotherapie, Bäder, Packungen, schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente verordnet. Eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) mit Gelenkspülung oder eine Spritze in das Gelenk haben Ihnen vorübergehend geholfen.

Wenn die Schmerzen und die Behinderung im Gelenk aber zunehmen und die konservativen Behandlungen ausgeschöpft sind, wird der Arzt einen operativen Eingriff empfehlen: Das Einsetzen eines künstlichen Gelenkes, auch Totalendoprothese genannt.

Bei Kunstgelenken wird versucht, die Biomechanik des natürlichen Gelenkes bestmöglich nachzuahmen. Die abgenutzten Knorpelflächen des erkrankten Gelenkes werden durch glatte, stabile Oberflächen ersetzt. Anhand der Untersuchungsdaten und der Röntgenbilder legt der Operateur Modell, Größe und Art der Fixierung der Implantate fest.

Alles wird auf Ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmt. Alter, Geschlecht, Knochenqualität, Körpergewicht und nicht zuletzt Ihre körperlichen Aktivitäten spielen eine Rolle.

Künstliche Gelenke halten in der Regel 12-15 Jahre.

Es gibt drei Endoprothesentypen (Beispiel Hüftgelenk)

  • 1. Zementierte Endoprothese

    Hüftschaft und -pfanne werden mit einem schnell härtenden Kunststoff, dem so genannten Knochenzement, im Becken und im Oberschenkelknochen befestigt. Ein zementiertes Gelenk ist sofort belastbar.

  • 2. Zementfreie Endoprothese

    Der Hüftschaft wird in den Knochen eingepresst. Die Hüftpfanne wird eingepresst oder eingeschraubt. Durch das knochenfreundliche Material heilen diese Komponenten schnell in den Knochen ein und das Gelenk wird langfristig fixiert.

  • 3. Hybrid-Endoprothese (Mischform)

    In der so genannten hybriden Implantationstechnik sind die Vorzüge beider Verfahren vereint. Die Pfanne wird zementfrei verankert, der Prothesenschaft hingegen im Oberschenkelknochen einzementiert.

Im Allgemeinen werden folgende Materialien verwendet: Stahllegierungen oder Titan, hochverdichtete Kunststoffe, Keramik.

Da bei einer Prothesenoperation ein erhöhter Blutverlust nicht ausgeschlossen werden kann und meist der Operationstermin im Voraus feststeht, besteht die Möglichkeit, dass sich der Patient sein eigenes Blut spendet. Diese Eigenblutspende erfolgt in der Regel ambulant, etwa 2 – 4 Wochen vor dem geplanten Eingriff.

Der stationäre Aufenthalt in der Klinik beträgt ca. 2 Wochen. Darauf folgen entsprechende Rehabilitationsmaßnahmen, bevorzugt in einer Rehaklinik für 3 – 4 Wochen.

Durch intensive Krankengymnastik werden die Gehfähigkeit und der Muskelaufbau gefördert. Selbst alltägliche Bewegungsabläufe, wie das richtige Ein- und Aussteigen aus dem Auto müssen wieder erlernt werden.

Ziel ist, die Bein- und Beckenmuskulatur so zu trainieren, dass Sie voll von Ihrer wieder gewonnenen Beweglichkeit profitieren können.

Nach der Reha-Maßnahme sollten Sie weitestgehend schmerzfrei sein. Es ist wichtig, dass Sie Ihre Übungen auch zu Hause täglich wiederholen.

Nach wenigen Monaten können Sie Ihr Leben wieder voll genießen – ob privat oder im Beruf. Gehen Sie Ihren Hobbys nach und treiben Sie Sport. Erlaubt sind alle gelenkschonenden Sportarten wie Schwimmen, Radfahren, Spazieren gehen, Skilanglauf, Nordic-Walking oder Gymnastik.

Sie sollten Ihre Gelenke jedoch nicht überstrapazieren und auf schweres Heben (max. 20 % des eigenen Körpergewichts) und extreme sportliche Belastungen wie Squash, Tennis oder alpinen Skilauf verzichten.

In den Monaten und Jahren nach der Operation sollten Sie das Angebot Ihres Arztes zu regelmäßigen Nachuntersuchungen unbedingt nutzen, auch wenn Sie beschwerdefrei sind. Damit geben Sie Ihrem Arzt die Gelegenheit Ihre Rehabilitation zu verfolgen.